Thomas Reid

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Thomas Reid, Porträt von Sir Henry Raeburn (1796)

Thomas Reid (* 26. April 1710 in Strachan, Schottland; † 7. Oktober 1796 in Glasgow, Schottland) war ein schottischer Philosoph aus der Zeit der Aufklärung. Er gilt als Begründer der Common-Sense-Philosophie und vertrat einen Common-Sense-Realismus (auch direkter Realismus bzw. naiver Realismus genannt). Als Zeitgenosse David Humes (1711-1776) war er zugleich dessen erster und schärfster Kritiker und wandte sich entschieden gegen dessen Skeptizismus.

„Der moderne Skeptizismus ist der natürliche Nachwuchs des neues System; und obwohl das System dieses Monster bis zum Jahr 1739 nicht geboren hat, als Humes „Abhandlung über die menschliche Natur“ veröffentlicht wurde, kann man sagen, dass sie in seinem Schoß von Anfang getragen wurde.

Das alte System akzeptierte alle Prinzipien des Common Sense als erste Prinzipien, ohne dass sie nachgewiesen werden müssen; und deshalb, obwohl seine Argumentation häufig vage war, analog und dunkel, wurde es auf einem breiten Fundament gebaut und hatte keine Neigung zur Skeptizismus.“

Thomas Reid: Inquiry into the Human Mind on the Principles of Common Sense (1764), Kapitel 7[1]

Rudolf Steiner schreibt über Reid:

„Vor dem Eingange der Weltanschauungsentwickelung des neunzehnten Jahrhunderts steht in England Thomas Reid (1710—1796). Es bildet den Grundzug der Überzeugung dieses Mannes, was auch Goethe als seine Anschauung mit den Worten ausspricht: «Es sind am Ende doch nur, wie mich dünkt, die praktischen und sich selbst rektifizierenden Operationen des gemeinen Menschenverstandes, der sich in einer höheren Sphäre zu üben wagt.» (Vgl. Goethes Werke, Band 36, S. 595 in Kürschners Deutscher National-Literatur.) Dieser gemeine Menschenverstand zweifelt nicht daran, daß er es mit wirklichen, wesenhaften Dingen und Vorgängen zu tun habe, wenn er die Tatsachen der Welt betrachtet. Reid sieht nur eine solche Weltanschauung für lebensfähig an, die an dieser Grundansicht des gesunden Menschenverstandes festhält. Wenn man selbst zugäbe, daß uns unsere Beobachtung täuschen könne, und das wahre Wesen der Dinge ein ganz anderes wäre als uns Sinne und Verstand sagen, so brauchten wir uns um eine solche Möglichkeit nicht zu kümmern. Wir kommen im Leben nur zurecht, wenn wir unserer Beobachtung glauben; alles weitere geht uns nichts an. Von diesem Gesichtspunkte aus glaubt Reid zu wirklich befriedigenden Wahrheiten zu kommen. Er sucht nicht durch komplizierte Denkverrichtungen zu einer Anschauung über die Dinge zu kommen, sondern durch Zurückgehen auf die von der Seele instinktiv angenommenen Ansichten. Und instinktiv, unbewußt, besitzt die Seele schon das Richtige, bevor sie es unternimmt, mit der Fackel des Bewußtseins in ihre eigene Wesenheit hineinzuleuchten. Instinktiv weiß sie, was sie von den Eigenschaften und Vorgängen in der Körperwelt zu halten hat; instinktiv ist ihr aber auch die Richtung ihres moralischen Verhaltens, ein Urteil über Gut und Böse eigen. Reid lenkt das Denken, durch seine Berufung auf die dem gesunden Menschenverstand eingeborenen Wahrheiten, auf die Beobachtung der Seele hin. Dieser Zug nach Seelenbeobachtung bleibt fortan der englischen Weltanschauungsentwickelung eigen.“ (Lit.:GA 18, S. 445f)

„Und wenn einmal das wirtschaftliche Glied des sozialen Organismus ausgebildet werden soll, dann wird man in die Schule gehen müssen beim Westen: bei Thomas Reid, John Stuart Mill, Buckle, Adam Smith und so weiter. Sie haben nur den Fehler, daß sie auf die Wissenschaft, auf die Erkenntnis, auf das Geistesleben ihr Denken angewendet haben. Wenn man sich schult an diesem Denken und darüber nachdenkt, wie man Assoziationen zu bilden hat, wie man am besten zu wirtschaften hat, dann ist dieses Denken am Platze.“ (Lit.:GA 199, S. 119)

Werke

Literatur

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Einzelnachweise

  1. „Modern scepticism is the natural offspring of the new system; and although the system didn’t give birth to this monster until the year 1739 when Hume’s Treatise of Human Nature was published, it can be said to have carried it in its womb from the beginning.
    The old system accepted all the principles of common sense as first principles, without requiring any proof of them; and therefore, though its reasoning was commonly vague, analogical and dark, it was built on a broad foundation and had no tendency to scepticism.“
    Thomas Reid: Inquiry into the Human Mind on the Principles of Common Sense (1764), Chapter 7