Trennung von Arbeit und Einkommen

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Von der ursprünglichen Formulierung des sozialen Hauptgesetzes bei Steiner leiten sich zwei Dinge ab: 1. eine konsequente Arbeitsteilung und 2. die Trennung von Arbeit und Einkommen. Joseph Beuys führte dazu aus, dass die Trennung von Arbeit und Einkommen "bewusstseinsmäßig" vollzogen werden müsse. Bewusstseinsmäßig meint hier, nur vom Kopf her, aber nicht real in der Wirklichkeit. Von einer generellen Trennung von Arbeit und Einkommen im gesamtgesellschaftlichen Maßstab und Zusammenhang kann hier überhaupt keine Rede sein, zumindest bei wesensgemäßer Anwendung der Begriffe. Und so etwas wäre auch völliger ökonomischer Unsinn, und schon von daher gar niemals vollständig durchführbar. Hier noch einmal kurz zur Erninnerung Steiners Formulierung des sozialen Hauptgesetzes:

"Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden." (Lit.: GA 034, S. 213)

Es war lange Zeit ein ungeschriebenes Gesetz bei den sozialen Künstlern, dass diese Trennung von Arbeit und Einkommen lediglich bewusstseinsmäßig zu vollziehen ist. Wohl hat die Trennung von Arbeit und Einkommen transzendentale Idealistät, aber sie darf niemals empirische Realität für sich beanspruchen.

Seit den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts tritt nun u.a. Götz Werner mit seiner neoliberalen Forderung eines Bedinungslosen Grundeinkommens (BGE} in der Öffentlichkeit auf. Neoliberal deshalb, weil es mit dem Modell einer in jeder Hinsicht unsozialen konsumorientierten Steuerreform verbunden wird. Diese Idee gibt es schon recht lange. Schon die neoliberale Chicago-Schule und Milton Friedman haben sich dezidiert für dieses Doppelmodell ausgesprochen. Aber da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und die sozialen Künster sind mit der Zeit fast alle umgekippt. Heute vertreten - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - praktisch alle sozialen Künster das Modell eines Bedinungslosen Grundeinkommens (BGE).

Auch Erich Fromm und neuerdings Katja Kipping sowie Arfst Wagner entwickelten eigenständige Konzepte eines Bedingungslosen Grundeinkommens, mit der Konsequenz, dass alle diese Modelle ausdrücklich nicht neoliberal gedacht wurden. Einzubeziehen wären angesichts der bevorstehenden "Industrie 4.0" auch gewerkschaftliche Konzepte zur Maschinensteuer, die ursprünglich aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen.

Joachim Stiller ist davon überzeugt, dass es eine wirklich Trennung von Arbeit und Einkommen erst im Verlauf des kommenden, zweiten großen Machinenzeitalters gibt und auch erst dann geben kann, wenn die gesamtgesellschaftliche Arbeit zunehmend von Robotern, Maschinen und Androiden erledigt wird, und am Ende niemand mehr arbeiten muss, so die eigentliche Utopie aus Silicon Valley. Jeder Mensch würde dann zur Befriedigung seiner Bedürfnisse ein maschinensteuerfinanziertes Grundeinkommen bekommen, dass voll in die Preise eingerechnet wäre. Am Geld- und Wirtschaftskreislauf würde sich nicht viel ändern, nur dass jetzt niemand mehr arbeiten müsste und man die Maschinen arbeiten ließe. Am Ende könnte Steiner also mit seiner Forderung nach Trennung von Arbeit und Einkommen doch noch recht behalten. Aber bis dahin ist wohl noch ein langer Weg.

Siehe auch

Literatur

Zum sozialen Hauptgestz
  • Stefan Leber (Hrsg): Sozialwissenschaftliches Forum: Band 1 - Das Soziale Hauptgesetz, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1986
Zur konsumorientierten Steuerreform
Zur Kritik an einer Trennung von Arbeit und Einkommen

Weblinks