Trobador

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Wilhelm IX. von Aquitanien - Darstellung aus Bibliothèque Nationale, MS cod. fr. 12473, 13. Jahrhundert

Als Trobador (ursprüngliche okzitanische Wortform) oder Troubadour (französierte Wortform) bezeichnet man die Dichter, Komponisten und Sänger höfischer mittelalterlicher Lieder, insbesondere der in okzitanischer Sprache verfassten Trobadordichtung im südlichen Frankreich, mit dem sie den Minnesang begründeten. Die Zeit der Trobadore war vor allem das 12. und 13. Jahrhundert, als ältester Vertreter gilt Wilhelm IX. von Aquitanien. Die entsprechenden nordfranzösischen Dichter wurden als Trouvères bezeichnet. Etwa ab dem 16. Jahrhundert bürgerte sich die geläufige gemeinsame Bezeichnung „Troubadour“ ein.

Arthur Schult schreibt über die provenzalischen Trobadors:

„In der Provence begründeten die Minnesänger eine neue, freie Geistigkeit, die sich eng mit den mystisch-religiösen Lehren der provenzalischen Katharer-Gemeinden verband. Das war die Gaiescience („Gayascienza“), die „Fröhliche Wissenschaft“ der Troubadoure, die Friedrich Nietzsche bewunderte; er benannte eines seiner grundlegenden Werke „Fröhliche Wissenschaft“. Die Troubadoure impulsierten einen neuen Weg abendländischer Esoterik. Sie forderten nicht mönchische Askese und Weltentsagung, sondern gingen von der Anerkennung der den Menschen verliehenen Sinnennatur aus. Sie ließen das asketische Heiligkeitsideal des christlichen Mönchtums gelten, wie ihre Verbindung mit den asketischen Katharern zeigte; sie selbst aber gingen einen anderen Weg. Nicht durch Abtötung der Erdennatur des Menschen wollten sie den Geist erkraften. Dieses asketische Ideal mönchischer Heiligkeit empfanden sie als vorchristlich-orientalisch. Das wahrhaft christliche Ideal ist nicht Askese, sondern bejaht Leib, Erde und Sinnlichkeit im Vertrauen auf die Verwandlung der Erdennatur durch Christus. Die Troubadoure bejahten daher die im Blut waltenden Kräfte, die den jungen Menschen liebefähig machen. Sie wollten diese leiblichen Kräfte verklären, nicht unterdrücken oder abtöten. So lehrte schon Diotima in Platons Symposion, daß der Eros ein Mittler zum Göttlichen hin sei. So bejaht auch Christus die mystische Erotik, damit der ganze Mensch mit Leib Seele und Geist vom Göttlichen verklärt und zur Auferstehung gebracht werden kann.

Der Troubadour Montangayol aus Toulouse sagt: ‚Liebende sollen reinen Herzens sein und nur an Minne denken, denn die Minne ist keine Sünde, sondern eine Tugend, die die Schlechten gut und die Guten besser macht.‘ Echte Minne ist ebenso rein wie das Gebet und hat mit sexueller Gier nichts zu tun.

Wie in der Troubadourbewegung die Sexualität sublimiert wurde zum platonischen Eros, so führten die Katharer das religiöse Erleben auf eine Höhe, die nicht mehr zu überbieten war. Sie wußten, daß Gott Liebe ist und das Göttliche in Wahrheit von keinem Dogma erfaßt werden kann. , Ihnen war es nicht zu tun um die Lehre von Gott, um persönliche Glaubensauffassungen, sondern ihn war einzig wesentlich die Verwirklichung Gottes im persönlichen Leben, die reale Gotteserfahrung. Sie wußten: Gott entzieht sich dem Begriff. Er kann nur durch Schweigen verehrt und durch Läuterung der Seele erfahren werden. Sich seiner würdig machen, ist alles.“ (Lit.: Schult, S. 23)

Siehe auch

Literatur

  • Margarita Egan: Les vies des Troubadours. Textes réunis et traduits par Margarita Egan. Union Générale D'éditions, Paris 1985. ISBN 2-264-00638-2 (Das Buch enthält die Vida von 61 Trobadors sowohl in okzitanischer als auch französischer Sprache)
  • Arthur Schult: Dantes Divina Commedia als Zeugnis der Tempelritter-Esoterik, Turm-Verlag, Bietigheim 1979, ISBN 978-3799901840

Weblinks

 Wiktionary: Troubadour – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Zur Etymologie von trobar:


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