Versuch und Irrtum

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Versuch und Irrtum (eng. trial and error) ist eine heuristische Methode, um für ein Problem trotz mangelhafter Einsicht in die tieferen Zusammenhänge durch „Ausprobieren“ brauchbare Lösungen zu finden. Fehlversuche werden dabei bewusst in Kauf genommen. Dieses Verfahren ist auch im Tierreich weit verbreitet und findet sich etwa schon bei Regenwürmern oder im Lernverhalten von Katzen.[1] Der Begriff wurde erstmals 1905/1906 von O. W. Holmes und H. S. Jennings in der Biologie verwendet und später von W. R. Ashby in verallgemeinerter Form in die Kybernetik eingeführt.[2] Nach Karl Poppers Falsifikationismus beruht der Erkenntnisfortschritt in den Wissenschaften maßgeblich auf diesem Prinzip.[3]

Geschichte und Anwendung

Der Begriff wurde von Herbert Spencer Jennings und W. Holmes geprägt.[4] Demnach wird ein Organismus durch Antrieb/Motivation sensibel für Hinweisreize, um sich die als angenehm eingestufte Entspannung zu verschaffen. Um zu dieser Entspannung, also zu diesem Ziel zu gelangen, werden vom Organismus mehrere Wege ausprobiert (Versuch). Erfolglose Versuche werden nach Edward Lee Thorndike als Irrtum (error) bezeichnet; bei erfolgreichen Versuchen wird das Erreichen des Zieles als Wirkung bezeichnet.

Robert Yerkes experimentierte mit Regenwürmern, die er durch einen wie ein T geformten Gang vom Fußpunkt aus zu dem Querbalken kriechen ließ. Bei einer Wendung nach links musste der Regenwurm zunächst über Sandpapier kriechen und erhielt anschließend einen leichten elektrischen Schlag, bei der Wendung nach rechts konnte der Wurm das Ziel ohne ihn behindernde Schwierigkeiten erreichen. Anfangs wandten sich die Würmer in gleicher Häufigkeit nach rechts oder links. Nach zwanzig bis hundert Experimenten hatte der Wurm gelernt, dass er an der Gabelung nach rechts kriechen muss, um die andernfalls auf ihn wartenden Schwierigkeiten zu vermeiden.

Thorndike konnte auch nachweisen, dass Versuch und Irrtum bei Katzen ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses ist.[5]

In der Wissenschaftstheorie des Kritischen Rationalismus vollzieht sich nach der Ansicht von Karl Popper der Erkenntnisfortschritt durch trial and error (siehe Falsifikationismus).[6]

In der Informatik finden sich viele algorithmische Verfahren, die auf dem Versuch-und-Irrtum-Ansatz beruhen, z. B. die Brute-Force-Methode. Dazu gehören klassische Backtracking-Algorithmen, die rekursiv eine Menge von möglichen Lösungen durchsuchen, bis eine richtige Lösung gefunden wird.

Viele Optimierungsverfahren iterieren nach dem Grundsatz Versuch und Irrtum.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jochen Musseler, Wolfgang Prinz (Hrsg.): Allgemeine Psychologie. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, ISBN 3-8274-1128-9, S. 404
  2. Lexikon Handhabungseinrichtungen und Industrierobotik, S. 284.
  3. Reinhold Zippelius: Grundbegriffe der Rechts- und Staatssoziologie, § 3 (Versuchsweise Weltorientierung), 3. Aufl., Mohr Siebeck, Tübingen 2012. ISBN 978-3-16-151801-0
  4. Vgl. Lexikon Handhabungseinrichtungen und Industrierobotik, S. 284.
  5. Jochen Musseler, Wolfgang Prinz (Hrsg.): Allgemeine Psychologie. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, ISBN 3-8274-1128-9, S. 404
  6. Reinhold Zippelius: Grundbegriffe der Rechts- und Staatssoziologie, § 3 (Versuchsweise Weltorientierung), 3. Aufl., Mohr Siebeck, Tübingen 2012. ISBN 978-3-16-151801-0


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