Wärmesinn

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Der Wärmesinn ist einer der zwölf physischen Sinne, von denen Rudolf Steiner in seiner Sinneslehre gesprochen hat. Er vermittelt uns die Empfindung von Wärme und Kälte. Nach dem Gehörsinn ist er der älteste der Sinne und wurde bereits auf dem alten Saturn veranlagt, der während der längsten Zeit seiner Entwicklung eine reine Wärmewelt war. Unter den Tierkreiszeichen entspricht ihm der Stier.

Wärmewahrnehmung

„Von der Wahrnehmung der Wärme können wir nicht im selben lokalisierten Sinne sprechen wie von der Wahrnehmung des Lichtes. Aber gerade, indem wir die Aufmerksamkeit auf so etwas richten, können wir noch auf etwas anderes kommen.

Was nehmen wir denn eigentlich wahr, wenn wir in ein Verhältnis treten zu dem Wärmezustand unserer Umgebung? Ja, da nehmen wir eigentlich dieses Schwimmen in dem Wärmeelement unserer Umgebung sehr deutlich wahr. Nur: Was schwimmt denn? Bitte, beantworten Sie sich diese Frage, was da eigentlich schwimmt, wenn Sie in der Wärme Ihrer Umgebung schwimmen. Nehmen Sie folgendes Experiment. Sie füllen einen Trog mit einer mäßig warmen Flüssigkeit, mit mäßig warmem Wasser, mit einem Wasser, das Sie als lauwarm empfinden, wenn Sie beide Hände hineinstecken - nicht lange hineinstecken, Sie probieren das nur. Dann machen Sie folgendes: Sie stecken zuerst die linke Hand in möglichst warmes Wasser, wie Sie es gerade noch ertragen können, dann die rechte Hand in möglichst kaltes Wasser, wie Sie es auch gerade noch ertragen können, und dann stecken Sie rasch die linke und die rechte Hand in das lauwarme Wasser. Sie werden sehen, daß der rechten Hand das lauwarme Wasser sehr warm vorkommt und der linken sehr kalt. Die heißgewordene Hand von links fühlt dasselbe als Kälte, was die kaltgewordene Hand von rechts als Wärme fühlt. Vorher fühlten Sie eine gleichmäßige Lauigkeit. Was ist denn das eigentlich? Ihre eigene Wärme, die schwimmt und verursacht, daß Sie die Differenz zwischen ihr und der Umgebung fühlen. Dasjenige, was von Ihnen schwimmt in dem Wärmeelement Ihrer Umgebung, was ist es denn? Es ist Ihr eigener Wärmezustand, der durch Ihren organischen Prozeß herbeigeführt wird, der ist nicht etwas Unbewußtes, in dem lebt Ihr Bewußtsein. Sie leben innerhalb Ihrer Haut in der Wärme, und je nachdem diese ist, setzen Sie sich auseinander mit dem Wärmeelement Ihrer Umgebung. In diesem schwimmt Ihre eigene Körperwärme. Ihr Wärmeorganismus schwimmt in der Umgebung.“ (Lit.:GA 320, S. 124f)

Wärmesinn und Empfindungsleib

Der Wärmesinn hängt eng mit dem Empfindungsleib des Menschen zusammen:

„Nun folgt als nächster der Wärmesinn. Hier ist wiederum etwas, das durch seine Wirkung im Menschen den Wärmesinn vermittelt. Dies ist der Empfindungsleib selber, der seine astralische Substanz in Wirksamkeit bringt und nach außen strömen läßt, wenn ein Wärmeerlebnis eintreten soll. Dies tritt dann ein, wenn der Mensch wirklich imstande ist, seine astralische Substanz nach außen zu senden, ohne daran gehindert zu sein. Im Bade fühlen wir uns nicht erwärmt, wenn es ebenso warm ist wie wir, wenn also Gleichgewicht besteht zwischen uns und unserer Umgebung und von uns nichts aufgenommen wird. Nur wenn von uns Wärme ausströmt oder solche in uns einfließen kann, empfinden wir Wärme oder Kälte. Ist die äußere Umgebung wärmearm, so lassen wir Wärme in sie ausströmen. Sind wir wärmearm, so lassen wir Wärme in uns einströmen. Hier hat man es wieder handgreiflich, daß ein Aus- und Einströmen stattfindet. Beim Ausgeglichensein jedoch von außen und innen wird die Wärme nicht empfunden. Das Wärmeerlebnis hat immer zu tun mit der Wirkung des menschlichen Empfindungsleibes. Dieser wird, wenn wir einen Gegenstand berühren, der immer wärmer und wärmer wird, immer stärker ausströmen. Es drängt sich uns immer mehr auf von dem, was hinein will, und der Empfindungsleib muß dann entsprechend mehr ausströmen. Dies geht aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Wenn nicht mehr die Möglichkeit besteht, aus dem Empfindungsleib Kraft ausströmen zu lassen, dann ertragen wir die Hitze nicht mehr und wir verbrennen uns. Es müßte auch so sein, daß wir jedesmal ein Verbrennen empfinden, wenn wir nicht mehr Substanz aus unserem Empfindungsleib ausströmen können beim Berühren von etwas sehr Kaltem. Fassen wir einen sehr kalten Körper an, der uns verhindert, Substanz aus dem Empfindungsleib ausströmen zu lassen, weil er nichts an uns abgibt, so erscheint uns die übermäßige Kälte auch als ein Brennen und erzeugt Blasen. Beides beruht auf derselben Wirkung.“ (Lit.:GA 115, S. 44f)

Physiologische Grundlagen der Thermorezeption

Die Thermorezeption wird durch Warm- und Kaltrezeptoren vermittelt, denen unterschiedliche Empfindungsqualitäten entsprechen. Bei gleichbleibender Temperatur erzeugen sie eine bestimmte konstante spontane Impulsrate von Aktionspotentialen, die durch das Nervensystem weitergeleitet werden. Plötzliche Temperaturänderungen verändern die Impulsfrequenz.

Warmrezeptoren sind zwischen knapp unter 30 bis knapp über 40 °C aktiv, wobei ihre Spontanfrequenz zunächst mit zunehmender Temperatur ansteigt, dann aber oberhalb des Maximums steil abfällt. Kaltrezeptoren sind zwischen etwa 5 und knapp 40 °C aktiv, wobei das Maximum der Impulsrate allerdings bei etwa 20 bis 25 °C liegt. Davon zu unterscheiden sind die Hitzerezeptoren, die ab etwa 43 °C schmerzhafte Empfindungen vermitteln und zu den polymodalen Nozizeptoren (Schmerzsensoren) gezählt, da sie auch auf schmerzhaften Druck oder Gewebeverletzungen reagieren. Sie sind also mehr dem Lebenssinn zuzuordnen.

Je nach Körperregion variiert die Dichte der Rezeptoren stark, wobei die Wärmepunkte überhaupt wesentlich seltener sind.

Körperregion Kaltpunkte pro cm² Warmpunkte pro cm²
Stirn 6,75 0,62
Nase 10,5 1
Zunge 16 - 19
Lippe 20
Brust 9 0,3
Oberarm (Beugefläche) 5,7 0,3
Unterarm (Innenseite) 6 0,4
Handrücken 7,4 0,54
Oberschenkel 4,85 0,39

Darüber hinaus wird auch die Aktivität der meisten Mechanorezeptoren der Haut von der Temperatur beeinflusst.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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