Wärmung

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Die Wärmung ist der zweite der sieben grundlegenden Lebensprozesse, die Rudolf Steiner unterschieden hat. Sie steht unter dem kosmischen Einfluss der Jupitersphäre. Die Wärmung ist eine Folge der Atmung, bildet aber doch einen eigenständigen Lebensprozess, durch den wir uns mit der in uns selbst entwickelten Wärme in eine bestimmtes Verhältnis zur Wärme der Umgebung setzen.

„Als zweites können wir unterscheiden die Wärmung. Sie tritt ein mit der Atmung; aber sie ist etwas anderes als die Atmung. Die Wärmung, die innerliche Durchwärmung ist eine zweite Art, das Leben zu unterhalten. Eine dritte Art, das Leben zu unterhalten, ist die Ernährung. Da haben wir die drei Arten, dem Leben von außen mit Lebensprozessen entgegenzukommen: Atmung, Wärmung, Ernährung. Zu alledem gehört die Außenwelt. Atmung setzt voraus einen Stoff, beim Menschen die Luft, beim Tier auch die Luft. Wärmung setzt voraus eine ganz bestimmte Wärme der Umgebung, zu der wir uns in eine Beziehung setzen. Denken Sie sich nur einmal, wie Sie unmöglich innerlich mit der richtigen Wärme leben könnten, wenn die Temperatur in Ihrer Umgebung höher oder tiefer wäre! Denken Sie sie sich um hundert Grad tiefer: Ihre Wärmung wäre nicht mehr möglich, Ihre Wärmung hörte auf; oder um hundert Grad höher: Sie würden nicht bloß schwitzen!“ (Lit.:GA 170, S. 114)

Wärmeprozesse und Ich

Die Erwärmungsprozesse des Blutes sind der unmittelbare Ausdruck des menschlichen Ich. Geistig-Seelisches und Physisches durchdringen sich hier wechselseitig und es wirkt darin unser wirkliches Ich, das aus den vorangegangenen irdischen Inkarnationen herüberwirkt, nicht bloß dessen Spiegelbild in unserem gegenwärtigen Ich-Bewusstsein.

„Wenn Sie irgendeinen Schritt machen, so findet nicht nur statt, daß Sie Ihren Körper bewußt an einen anderen Ort hintragen, sondern es findet auch das andere statt, daß ein wärmeartiger Prozeß, der Luftiges treibt, in Ihrem Inneren sich abspielt. Der ist der äußerste Ausläufer dessen, was dann gleichartig damit innerlich sich abspielt als die Stoffwechselprozesse überhaupt im Zusammenhange mit dem Blutkreislauf. Während Sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein außen die Ortsveränderung des Menschen bemerken als Äußerung seines Willens, schauen Sie jetzt auf sich zurück und finden lauter Vorgänge, die im Inneren des Menschen, das jetzt Ihre Welt ist, sich abspielen. Dieser Prozeß, auf den Sie da hinschauen, ist dann wahrhaftig nicht so, wie ihn aus der gewöhnlichen Anatomie heraus der heutige Naturforscher oder Mediziner konstatiert, sondern der ist ein großartiger geistiger Prozeß, ein Prozeß, der ungeheuer viele Geheimnisse birgt, ein Prozeß, welcher schon bei sich selber zeigt, daß im Grunde genommen der eigentliche treibende Motor, der da im Inneren des Menschen wirkt, gar nicht das gegenwärtige Ich ist. Es ist ja ein bloßer Gedanke, was der Mensch sein Ich nennt im gewöhnlichen Leben. Aber was da im Menschen wirkt, das ist das Ich der vorigen Erdenleben. Und Sie schauen in diesem ganzen innerlichen Verlauf, namentlich von Wärmeprozessen, wie aus weit zurückliegenden Zeiten das reale Ich, das durch die Zeitentwickelung durchgegangen ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, da drinnen wirkt, wie da ein ganz Geistiges drinnen wirkt, wie der geringste Stoffwechselprozeß und der stärkste Stoffwechselprozeß überall der Ausdruck dessen ist, was gerade höchste Wesenheit des Menschen ist.“ (Lit.:GA 234, S. 106f)

„Wir haben gesehen, daß die Erde als Ergebnis des dichtesten «Vererdigungsprozesses» in uns hervorgebracht hat das Knochensystem, und als das am wenigsten verdichtete, als das regsamste, das Blutsystem. Und es soll nur noch kurz hinzugefügt werden, daß alles, was vorgeht im irdisch-physischen Menschenorganismus, hinaufdringt bis zu den Vorgängen, die sich im Blute abspielen; das sind die Erwärmungsvorgänge. Wir haben in diesen Erwärmungsvorgängen des Blutes den unmittelbaren Ausdruck des Ich und damit das oberste Niveau zu sehen, und darunter sich abspielend die anderen Prozesse des menschlichen Organismus. Der Erwärmungsprozeß ist also das Höchste, in diesen greift unsere Ich-Seelentätigkeit unmittelbar ein. Deshalb fühlen wir auch etwas wie eine Verwandlung unserer Ich-Seelentätigkeit in ein inneres Warmwerden, das bis zum physischen Warmwerden im Blutprozeß gehen kann. Wir sehen also, wie das Geistig-Seelische von oben nach unten gehend durch den Erwärmungsprozeß eingreift in das Organische, das Physiologische, und wir könnten noch an vielen anderen Tatsachen zeigen, wie das Geistig-Seelische sich in Erwärmungsprozessen berührt mit dem Organischen. Erwärmungsprozesse haben wir auch durch die Vorgänge in den Ernährungsorganen. Durch die Tätigkeit der komplizierten Apparate des Ernährungssystems finden die mannigfaltigsten Verwandlungen statt, durch die es im physischen Organismus zu Erwärmungsprozessen kommt. Diese erstrecken sich von unten nach oben.

Es reicht also im Erwärmungsprozeß der physische Organismus des Menschen bis hinauf ins Geistig-Seelische. Hören damit die Umwandlungen auf? Oder gehen sie weiter? Was dann folgt, kann nur angedeutet werden; es muß zunächst dem weiteren Nachdenken und namentlich Nachfühlen eines jeden Zuhörers überlassen werden. Wenn wir diese Umwandlungen mit Gefühlen wirklicher Ehrfurcht für den menschlichen Organismus betrachten können, so lernen wir einsehen, daß Physiologie nicht eine trockene Wissenschaft zu sein braucht, sondern eine Quelle höchster menschlicher Erkenntnis sein kann.

Was der Organismus produziert an innerer Wärme in unserem Blut, an Wärme, die er uns durch die gesamten inneren Prozesse zuleitet, das zeigt, daß wir in den Erwärmungsvorgängen etwas zu sehen haben wie eine Blüte aller anderen Prozesse im Organismus. Die innere Wärme des Organismus dringt bis hinauf in das Geistig- Seelische und kann sich bis in Geistig-Seelisches hinein verwandeln. Das ist das Höchste, das Schönste, das durch die Kraft des Menschenleibes Physisches umgewandelt werden kann in Geistig-Seelisches. Wenn alles, was im menschlichen irdischen Organismus veranlagt ist, zu Wärme geworden ist und die Wärme vom Menschen in der rechten Weise umgewandelt wird, dann entsteht aus der inneren Wärme Mitgefühl und Interesse für andere Wesen. Wenn wir durch alle Prozesse des menschlichen Organismus hindurch aufsteigen bis zum obersten Niveau, den Erwärmungsprozessen, so schreiten wir gleichsam durch das Tor des menschlichen Organismus, das gebildet wird durch die Wärmeprozesse, hinauf bis dahin, wo die Wärme des Blutes verwertet wird durch das, was die Seele daraus macht. Durch lebendiges Interesse für alle Wesen, durch Mitgefühl für alles, was um uns herum ist, erweitern wir, indem unser physisches Leben uns bis zur Wärme hinaufführt, unser Geistig-Seelisches über das gesamte irdische Dasein, und wir machen uns eins mit dem gesamten Dasein. Es ist eine wunderbare Tatsache, daß die Weltwesenheit den Umweg gemacht hat durch unseren physischen Organismus, um uns zuletzt die innere Wärme zu geben, die wir Menschen in der Erdenmission berufen sind umzuwandeln durch unser Ich in lebendiges Mitfühlen mit allen Wesen.

Wärme wird in Mitgefühl umgewandelt in der Erdenmission! Die Tätigkeit des menschlichen Organismus benützen wir sozusagen als Heizwärme für den Geist. Das ist der Sinn der Erdenmission, daß der Mensch als physischer Organismus dem Erdenorganismus so eingelagert ist, daß alle physischen Prozesse zuletzt ihre Vollendung, ihre Krone in der Blutwärme finden, und daß der Mensch als Mikrokosmos in Erfüllung seiner Bestimmung diese innere Wärme wiederum umwandelt, um sie auszuströmen als lebendiges Mitgefühl und Liebe für alles, was uns umgibt. Durch alles, was wir aus lebendigem Interesse in unsere Seele aufnehmen, wird unser Seelenleben erweitert. Und wenn wir dann durch viele Inkarnationen gegangen sind, in denen wir alle Wärme, die uns gegeben worden ist, verwertet haben, dann wird die Erde ihr Ziel, das innerhalb der Erdenmission zu erfüllen war, erreicht haben, dann wird sie als Erdenleichnam hinuntersinken und dem Verfall überliefert sein. Und aufsteigen wird die Gesamtheit aller jener Menschenseelen, die die physische Wärme umgewandelt haben in Herzenswärme. Wie die einzelne Seele, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, aufsteigt zu einer geistigen Welt, nachdem der physische Leichnam den Erdenkräften übergeben wurde, so wird einstmals der Erdenleichnam den Weltenkräften übergeben werden, und die einzelnen Menschenseelen werden zu neuen Daseinsstufen fortschreiten. Nichts in der Welt geht verloren. Was die Menschenseelen als Früchte auf der Erde errungen haben, das wird durch die Menschenseelen in Ewigkeiten hinübergetragen.“ (Lit.:GA 128, S. 176ff)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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