Walter Lippmann

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Walter Lippmann, 1914
Walter Lippman um 1920

Walter Lippmann (* 23. September 1889 in New York; † 14. Dezember 1974 bei New York) war ein amerikanischer Journalist und Publizist. Er gilt in den USA als meistgelesener und einflussreichster politischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Werk Die öffentliche Meinung von 1922[1] wird als grundlegendes Werk des Journalismus, der Medienwissenschaften, der Politikwissenschaft und der Sozialpsychologie betrachtet.[2][3][4][5]

Leben und Wirken

Lippmann wurde in der Upper East Side New Yorks als einziges Kind jüdischer Eltern deutscher Herkunft geboren und wuchs, wie sein Biograf Ronald Steel schreibt, in einem „vergoldeten jüdischen Ghetto“ auf.[6] Er besuchte ab 1896 die Sachs School for Boys, danach das Sachs Collegiate Institute, eine elitäre und streng säkulare vor allem von Kindern deutsch-jüdischer Familien besuchte Privatschule in deutscher Gymnasialtradition, geleitet von dem Altphilologen Dr. Julius Sachs, einem Schwiegersohn von Marcus Goldmann aus der Goldman-Sachs-Familie.[7]

Im Alter von 17 Jahren begann Lippmann an der Harvard University Literatur, Geschichte, Philosophie und Wirtschaft zu studieren. Er war kein Mitglied der renommierten Clubs, die Juden als Mitglieder ausschlossen, aber von Phi Beta Kappa. Zu seinen akademischen Lehrern zählten George Santayana, William James und Graham Wallas (1858–1932), dem Führer der Fabian Society und Mitbegründer der London School of Economics. Er beendete sein Studium kurz vor dem Masterexamen.

Lippmann war 1910 in seinen sozialistischen Anfängen Assistent des investigativen Journalisten Lincoln Steffens, mit dem er gemeinsam die Korruption im Bankenwesen darlegte. Außerdem war er Geschäftsführer eines sozialistischen Bürgermeisters.

Als Berater von Woodrow Wilson, dem 28. Präsidenten der Vereinigten Staaten, war Lippmann auch Leiter des Forschungsteams Inquiry im Untersuchungsausschuss zum Ersten Weltkrieg, aus dem 1921 das Council on Foreign Relations hervorging, in dem er eine einflussreiche Rolle spielte. Er war am Kriegseintritt der USA und an der Ausarbeitung des 14-Punkte-Programms beteiligt, das von Rudolf Steiner wiederholt kritisiert wurde. Lippmann war ein Gegner des Friedensvertrags von Versailles und später nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch ein scharfer Kritiker der Truman-Doktrin (1947), mit der die Ära des Kalten Kriegs begann.

Lippmann war 35 Jahre lang Kolumnist in mehreren bedeutenden Pressemedien gleichzeitig und gewann zwei Pulitzer-Preise, für seine Zeitungskolumne Today and Tomorrow und für sein Interview mit Nikita Chruschtschow im Jahre 1961.

Darüber hinaus war Lippmann eng verbunden mit der Entstehung des Marktfundamentalismus. Das Colloque Walter Lippmann von 1937 gilt als entscheidend für die Entwicklung des Neoliberalismus.[8]

Siehe auch

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Frank Deppe (2003): Politisches Denken zwischen den Weltkriegen, Hamburg, VSA-Verlag.
  • McAllister, Ted V. (1996): Revolt against modernity: Leo Strauss, Eric Voegelin & the search for postliberal order: Lawrence, Kansas, University Press of Kansas. ISBN 0-7006-0740-4.
  • Riccio, Barry D. (1994): Walter Lippmann – Odyssey of a liberal. Transaction Publishers. ISBN 1-56000-096-1.
  • Steel, Ronald (1980): Walter Lippmann and the American century. Little, Brown and Company. ISBN 0-7658-0464-6.
  • Reinhoudt, Jurgen, Audier, Serge, The Walter Lippmann Colloquium: The Birth of Neo-Liberalism, Palgrave Macmillan, 2018
  • Walter Ötsch und Silja Graupe: Der vergessene Lippmann – Politik, Propaganda und Markt. In: Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und wie sie manipuliert wird. Frankfurt/Main 2018, S. 9–53

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Ronald Steel: Walter Lippmann and the American Century. Routledge, 29. September 2017, ISBN 9781351299756 (https://books.google.com.ph/books?id=hmRQDwAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=lippmann+public+opinion&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiayIjm26rkAhWHUN4KHUS0BAE4ChDoAQhCMAM#v=onepage&q=lippmann%20public%20opinion&f=false).
  2.  Elliot King, Jane Chapman: Key Readings in Journalism. Routledge, 12. November 2012, ISBN 9781135767679 (https://books.google.com.ph/books?id=QSKCxz7DKcwC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=snippet&q=lippmann&f=false).
  3.  Doris Appel Graber: The politics of news: the news of politics. CQ Press, 1998, ISBN 9781568024127 (https://books.google.com.ph/books?id=Bb1oAAAAIAAJ&q=lippmann+public+opinion+key+text&dq=lippmann+public+opinion+key+text&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiplNicuqfkAhUsL6YKHRRIDesQ6AEIWjAG).
  4.  John Durham Peters, Peter Simonson: Mass Communication and American Social Thought: Key Texts, 1919-1968. Rowman & Littlefield, 2004, ISBN 9780742528390 (https://books.google.com.ph/books?id=34kSkJuYCIYC&pg=PA36&dq=lippmann+public+opinion+key+text&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiplNicuqfkAhUsL6YKHRRIDesQ6AEIYjAH#v=onepage&q=lippmann%20public%20opinion%20key%20text&f=false).
  5.  John Gray Geer: Public Opinion and Polling Around the World: A Historical Encyclopedia. ABC-CLIO, 2004, ISBN 9781576079119 (https://books.google.com.ph/books?id=ErMMGz1RIUcC&pg=PA424&dq=lippmann+public+opinion&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjpqrKf0KrkAhXJBIgKHRT5AIIQ6AEIQjAD#v=onepage&q=lippmann%20public%20opinion&f=false).
  6.  Barry D. Riccio: Walter Lippmann: Odyssey of a Liberal. Transaction Publishers, 1. Januar 1994, ISBN 978-1-4128-4114-6 (https://books.google.com.ph/books?id=ZjzAKTSg6H8C&pg=PA1&lpg=PA1&dq=gilded+jewish+ghetto+steel+lippmann&source=bl&ots=xWxhyazL0u&sig=ACfU3U2NYZcSY3g4wkJMlUUKibkjPnqzRA&hl=en&sa=X&ved=2ahUKEwjXnt-YkMPmAhVCQd4KHXUSDEkQ6AEwA3oECAgQAQ#v=onepage&q=gilded%20jewish%20ghetto%20steel%20lippmann&f=false).
  7. A Dwight History Lesson | Dwight School New York. Abgerufen am 19. Dezember 2019 (en-US, Die Schule wurde im Verlauf des Ersten Weltkriegs in Franklin School umbenannt. https://www.dwight.edu/about/history/a-dwight-history-lesson).
  8. Walter Ötsch und Silja Graupe: Der vergessene Lippmann -Politik, Propaganda und Markt. In: Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und wie sie manipuliert wird. Frankfurt/Main 2018, S. 11.
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