Weiße Substanz

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Sagittalschnitt des Gehirns: Graue Substanz außen und Weiße Substanz innen.
Querschnitt des Rückenmarks: Weiße Substanz außen und Graue Substanz innen.

Die Weiße Substanz (lat. Substantia alba) des zentralen Nervensystems besteht hauptsächlich aus Nervenfasern bzw. Nervenbahnen, die die einzelnen Teile des Großhirns miteinander und mit anderen Gehirnteilen verbinden. Die schon mit freiem Auge deutlich erkennbare weiße Färbung ist durch die Gliazellen bzw. Myelinscheiden, bedingt, die die Nervenfasern umhüllen und das „Mark“ bilden. Projektionsfasern verbinden die Großhirnrinde mit den tiefer gelegenen Gehirnpartien und dem Rückenmark. Kommissuralfasern verknüpfen die beiden Gehirnhälften miteinander und Assoziationsfasern die Hirnareale innerhalb einer Gehirnhemisphäre.

Im Gehirn liegt die weiße Substanz innen, während außen die Graue Substanz die Hirnrinde bildet. Im Rückenmark ist es genau umgekehrt. Die zentrale weiße Substanz, die beim Menschen und den höher entwickelten Tieren als Centrum semiovale unter der Großhirnrinde und als Corpus medullare cerebelli im Inneren des Kleinhirns liegt, wird als Marklager bezeichnet.

Die weiße Substanz ist ein Produkt der durch den Astralleib bewirkten Abbauprozesse. Die graue Substanz hingegen ist jener Teil der Hirnmaterie, der durch die Ich-Organisation gleichsam gerettet und neu belebt wird.

„Wenn wir ein menschliches Gehirn betrachten, so sehen wir in den hellen Partien, in den mehr unter der Oberfläche liegenden Partien des Gehirns, den Partien, die als Nervenstränge von den Sinnen ausgehen, eine sehr komplizierte Organisation, aber eine Organisation, die für denjenigen, der sie durchschauen kann, in Abbau begriffen ist, in fortwährendem Abbau in Wirklichkeit, wenn der Abbau auch sehr langsam geht, so daß er mit grober Physiologie nicht verfolgt werden kann. Aber aus alledem baut sich auf im Menschen, der sich dadurch gerade vom Tiere unterscheidet, das peripherische Gehirn, das eigentlich der menschlichen Organisation zugrunde liegende Gehirn. In bezug auf den menschlichen Bau ist eigentlich das zentrale Gehirn, die Fortsetzung der Sinnesnerven und ihre Verbindungen, vollkommener. Das äußere Gehirn, das der gewöhnlichen Organisation des Menschen zugrunde liegt, ist eigentlich mehr noch ein dem Stoffwechsel naheliegendes Organ als die tieferen Partien des Gehirns. Aber dafür ist auch dieses, das dem Menschen eigentümliche peripherische Gehirn, das eigentliche Stirngehirn, eigentlich durch die Ich-Organisation herausgerettet aus demjenigen, was sonst schon zerfällt. Und so geht es durch den ganzen menschlichen Organismus. Die Ich-Organisation rettet aus dem Zerfall, den der astralische Leib bewirkt, wiederum gewisse Elemente, aus denen nun aufgebaut wird dasjenige, was dem harmonisch geordneten Denken, Fühlen und Wollen des Menschen zugrunde liegt.

Ich kann diese Dinge natürlich nur andeuten, möchte aber doch darauf hinweisen, daß wir auf dem Gebiet der geistigen Forschung genau ebenso exakt verfahren, wie nur irgendeine äußere Wissenschaft experimentierend verfahren kann, und uns auch verantwortlich fühlen, so daß wir uns jederzeit fragen: Stimmt dasjenige überein, was wir im geistigen Schauen finden, mit demjenigen, was Ergebnis der äußeren empirischen, physischen Forschung ist? - Anderes wird nicht in Wirklichkeit, wenigstens prinzipiell nicht gelten gelassen.

Aber gerade der Bau des Gehirnes weist uns hin auf dieses, was man dann mit dem Schauen, mit dem geistigen Schauen, mit dem spirituellen Wahrnehmen erkennt, daß beim Menschen zu den drei Gliedern, dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib, die Ich-Organisation zugrunde liegt, die gewissermaßen einen Parasiten aus den Zerfallsprodukten wiederum aufbaut, gewissermaßen wiederum lebendig macht. So haben wir vier Glieder der menschlichen Organisation. Diese vier Glieder der menschlichen Organisation müssen zueinander im gesunden menschlichen Organismus ganz bestimmte Verhältnisse haben.“ (Lit.:GA 319, S. 213f)

Rudolf Steiner hat nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die graue Substanz nicht, wie oft fälschlich angenommen, das Werkzeug des Denkens ist, sondern vor allem der Ernährung des Gehirns dient. Vielmehr ist die weiße Substanz die eigentliche „Denksubstanz“.

„Es ist ja eine ganz, man möchte schon fast sagen, alberne Ansicht, daß in der grauen Hirnsubstanz im wesentlichen die Denksubstanz gegeben ist, denn das ist nicht der Fall. Die graue Hirnsubstanz ist im wesentlichen zur Ernährung des Gehirnes da und ist eigentlich eine Kolonie der Verdauungswerkzeuge zur Ernährung des Gehirnes, während gerade dasjenige, was weiße Hirnsubstanz ist, von einer großen Bedeutung als Denksubstanz ist. Daher werden Sie auch in der anatomischen Beschaffenheit der grauen Hirnsubstanz schon etwas finden, was viel mehr zusammenhängt mit einer totalen Tätigkeit als mit dem, was ihr gewöhnlich zugeschrieben wird. Also Sie sehen, daß, wenn man von Verdauung spricht, man nicht bloß vom Unterleib sprechen kann.“ (Lit.:GA 312, S. 113)

„Die Kopf Organisation ist so beschaffen, daß der nach innen gelegene, gräulich-weißliche Gehirnteil das physisch am weitesten vorgeschrittene Glied der menschlichen Organisation ist. Er enthält eine die übrigen Sinne zusammenfassende Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken. Er nimmt Anteil an dem rhythmischen System des Organismus, in das der Astralleib und der Ätherleib hineinwirken, und er nimmt auch Anteil, aber in sehr geringem Maße, an dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, in welches der physische und Ätherleib hineinwirken. Dieser Gehirnteil unterscheidet sich von dem ihn umschließenden peripherischen Gehirn, das in seiner physischen Organisation viel mehr vom Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, etwas mehr vom rhythmischen System, aber am wenigsten vom Nerven-Sinnessystem enthält.“ (Lit.:GA 27, S. 128)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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