Wilhelm II.

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Wilhelm II. (1859-1941)
Wilhelm II. in Armeeuniform
Die Eröffnung des deutschen Reichstages im Weißen Saal des Berliner Schlosses am 25. Juni 1888, Ölgemälde von Anton von Werner (1893). Das Ereignis war anstelle einer Krönung der erste zeremonielle Auftritt Wilhelms als Kaiser

Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen (* 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Haus Doorn, Niederlande), Enkel des ersten Kaisers Wilhelm I. und Sohn von Friedrich III. aus der Dynastie der Hohenzollern, war König von Preußen und bestieg 1888 im 29. Lebensjahr den Thron des Deutschen Kaiserreichs und regierte bis 1918 für 30 Jahre als letzter Deutscher Kaiser.

Rudolf Steiner hat über ihn verschiedentlich gesprochen, u.a. im Zusammenhang mit dem sogenannten Jüngerwerden der Menschheit:

"Die Komplikation in der Menschennatur tritt heute besonders dadurch ein, daß die Menschen eigentlich nur - wie ich es Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe —, das Menschengeschlecht als solches nur siebenundzwanzig Jahre alt wird, das heißt, von selbst sich nur entwickelt bis zum siebenundzwanzigsten Jahre. Was dann noch kommt, das entwickelt sich nicht von selbst wie in alten Zeiten, für das muß die Entwickelung gesucht werden. Und so ist es heute so, daß der junge Mensch bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre eine Entwickelung durchmacht, wo ihm die Elemente des Menschentums anfliegen. Er erwartet sie bis zu diesem siebenundzwanzigsten Jahr vom Leben. Jetzt kommt das siebenundzwanzigste Jahr, da gibt das Leben selber nichts mehr her. Er tut aber nichts dazu. Daher beginnt von da ab das Leben hohl und leer, öde zu werden, wenn der Mensch sich nicht aufschwingt, das geistige Leben, von dem ich gesagt habe, daß es wie eine Welle sich über die Menschheit ergieße, heute in sich aufzunehmen.

Von selbst entwickelt sich der Mensch heute nur bis zum 27. Lebensjahr

Diese Krisis, die eigentlich in jeglichem Menschenleben heute ist um das siebenundzwanzigste Jahr - sie dauert dann bis um das fünfunddreißigste Jahr herum - , die drückt sich in charakteristischen Erscheinungen heute aus. Denn alles dasjenige, was in der allgemeinen Menschennatur lebt* das drückt sich in einzelnen Erscheinungen besonders radikal, besonders stark aus. So hat es bis vor kurzer Zeit eine als sehr führend - obwohl sie nicht viel führte - angesehene Persönlichkeit gegeben, die war zu einem bestimmten Zeitpunkt vor eine wichtige Entscheidung gestellt. Aber gleichzeitig mit dieser Entscheidung zeigte sich etwas anderes bei dieser Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit war früher einmal inkarniert im 9. Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung und war in diesem 9. Jahrhunderte an einem südlicheren Orte Europas eine Art schwarzer Magier. Das hat in die jetzige Inkarnation dieser Persönlichkeit so hereingewirkt, daß, als diese Entscheidung eintrat, das entscheidungsvolle Ereignis, diese Persönlichkeit eigentlich starb, das heißt, der Leib von der Seele, die da sich wieder inkarniert hatte, verlassen worden ist. Aber die Persönlichkeit lebte weiter, äußerlich, war trotzdem da. Denken Sie, welche Gelegenheiten für allerlei ahrimanische Geister und Individualitäten, in einem solch gestorbenen Menschen weiterzuleben! Das ist ein Fall von solchen Fällen, wie sie die Komplikation des heutigen Lebens mehrfach hervorbringt. Solche Dinge spielen hinein in dasjenige, was heute Menschenhandlungen sind, in dasjenige, was heute auch Menschenschicksale sind. Man kann heute nicht, ohne wenigstens ein Gefühl zu haben für so einschneidende Dinge, wie ich jetzt einen Fall erwähnt habe, ein Urteil über dasjenige gewinnen, was geschieht. Ich habe oftmals betont, und auch hier sind Persönlichkeiten, denen gegenüber ich öfter betont habe: Über die sogenannte Vorgeschichte dieser Weltkriegskatastrophe wird nicht so geurteilt werden können, wie man früher Geschichte gemacht hat, weil überall Fenster geöffnet waren für ahrimanische Wesenheiten, die hereinkamen. Und weil geistige Ursachen der zweifelhaftesten und sonderbarsten Art hereingespielt haben in die Ereignisse vom Juli 1914, wird man nicht ohne Zuhilfenahme von geistigen Faktoren über dasjenige sprechen können, geschichtlich, was zu dieser Weltkriegskatastrophe geführt hat." (Lit.: GA 190, S. 139ff)

Die Hohlheit der damaligen "Majestät" kann auch an folgender Stelle in Rudolf Steiners Werk illustriert werden:

"So zum Beispiel gibt es einen römischen Cäsar der allerersten Kaiserzeit, Caligula ist sein Name. Nun, sehen Sie, ein deutscher Historiker[1] hat in den neunziger Jahren einmal den deutschen Kaiser Wilhelm beschreiben wollen; aber das konnte man nicht, weil das nicht ging; man wäre eingesperrt worden, wenn man das niedergeschrieben hätte! Da hat denn der gute Mann ein Büchelchen geschrieben, das hieß: «Caligula». Er beschrieb den römischen Caligula, aber jeder Zug paßte auf Wilhelm II.! Jeder Mensch, der etwas davon verstand, wußte: der Caligula, das ist unser Wilhelm II.; nur so konnte man es machen. Dieser Caligula war nun zu gleicher Zeit ein Eingeweihter, weil alles schon äußerlich geworden war. Natürlich konnte man, was die Raben zu tun hatten, wenn es nicht sehr ernst genommen wurde, durch das begreifen, was die Fürsten auch taten. So war Caligula ein Sonnenmensch geworden, aber natürlich nur äußerlich, so wie einer, nun, sagen wir, ein «General» ist, der mit fünf oder sechs Jahren sich Soldatengewänder anzieht. So war der Caligula ein Eingeweihter geworden. Er hatte nur das Äußere genommen. Aber er sollte ja sogar andere einweihen! Da ist ihm bei einer Zeremonie die Geschichte passiert, wo man den sinnbildlichen Schlag ausführt mit dem Schwert bei einem der Sphinxe, daß er den Betreffenden wirklich erschlagen hat mit dem Schwert![2]" (Lit.: GA 353, S. 69f)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Ludwig Quidde: Caligula – Eine Studie über römischen Cäsarenwahnsinn, Leipzig 1894. Die Satire erlebte 30 Auflagen, führte aber wegen des Vorwurfs der Majestätsbeleidigung zum jähen Ende von Ludwig Quiddes wissenschaftlicher Laufbahn als Historiker. 1927 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Leistungen in der deutschen Friedensbewegung.
  2. Was hier als auf Caligula bezüglich geschildert wird, bezieht sich auf Commodus, wie auch aus einem anderen Vortrag Steiners (im selben Band GA 353) deutlich wird:
    "Dieser Commodus, der war, wie alle römischen Kaiser, ein Eingeweihter. Aber nun, was heißt ein «Eingeweihter» in diesem Falle? Das ist so, wie wenn man heute dem Namen nach irgendeinen Titel trägt. Jeder römische Kaiser galt von vornherein, weil er Kaiser war, als ein Eingeweihter. Das bezeugt allerdings, daß man dazumal die Wissenschaft sehr hoch geschätzt hat. Nur, die römischen Kaiser haben - außer Augustus - diese Wissenschaft nicht gehabt. Aber sie sind auch in die Mysterien hineingekommen; sie haben sogar selber andere einweihen können. Nun gab es einen gewissen Grad, da mußte man dem, der eingeweiht wurde, einen Schlag auf den Kopf geben. Das ist eine sinnbildliche Handlung. Der Kaiser Commodus hat diesen Schlag so gegeben, daß der Betreffende tot zusammensank. Man konnte das nicht bestrafen, weil es eben der Kaiser Commodus war. Ebenso, wie sie waren als «Eingeweihte», waren sie als Menschen." (Lit.: GA 353, S. 184)
    Steiners Quelle war vermutlich Blavatskys "Geheimlehre", Band 3; dort heißt es:
    "Ragon [Jean-Marie Ragon de Bettignies (1781 - 1862), einer der bedeutendsten franz. Freimaurer des 19. Jahrhunderts] spricht von einem Gerücht, das den Kaiser Kommodus beschuldigte - als er einstmals die Rolle des Initiators spielte - diese Rolle in dem Initiationsdrama so ernsthaft gespielt zu haben, daß er den Suchenden tatsächlich tötete, als er den Streich mit dem Beil gegen ihn führte. Das zeigt, daß die kleineren Mysterien im zweiten Jahrhundert n. Ch. noch nicht ganz ausgestorben waren." (Lit.: Geheimlehre III, S 285)

Literatur

  1. Helena Petrovna Blavatsky: Die Geheimlehre, Band III [1]
  2. Rudolf Steiner: Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen, GA 190 (1980), ISBN 3-7274-1900-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen der Kulturvölker, GA 353 (1988), ISBN 3-7274-3532-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org


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