Yahyā ibn Khālid

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Yahya ibn Khalid ( arab. يحيى بن خالد, romanisiert: Yahyā ibn Khālid ; † 806) wurde als Sohn von Khalid ibn Barmak, einem Mitglied der mächtigen iranisch-assyrischen Familie der Barmakiden geboren, die vermutlich zu den Zoroastriern aus Balch gehörten, obgleich auch eine buddhistische Herkunft nicht ausgeschlossen werden kann (von skrt. pramukha „Vorsteher, Verwalter“). Nach der arabischen Eroberung des östlichen Irans nahmen sie offensichtlich den Islam an und stiegen unter den Abbasiden (750–803) zu hohen und mächtigen Staatsfunktionären auf.

Um 765 wurde Yahya ibn Khalid vom Kalifen al-Mansur nach Adharbayjan berufen. Yahyas Sohn Fadl ibn Yahya wurde zur gleichen Zeit wie der Sohn des Kalifen al-Mahdi, Harun, in Rayy geboren. Al-Mahdi betraute Yahya 778 mit der Ausbildung Haruns. Zur dieser Zeit entwickelte sich gerade das Eigendenken des Menschen, nachdem die kosmische Intelligenz Michael entsunken und in der Erdenregion angekommen war (Lit.:GA 240, S. 184).

Als Haruns Bruder al-Hadi Kalif war, riet ihm Yahya mehrmals davon ab, seinen eigenen Sohn anstelle von Harun als Erben zu proklamieren. Al-Hadi folgte diesem Rat nicht und ließ Yahya ins Gefängnis werfen, starb aber kurz darauf. Als Harun als Harun al-Rashid nach dem Tod seines Bruders selbst Kalif wurde, ernannte er Yahya zum Wesir, der wesentlich dazu beitrug, dass das Abbasiden-Kalifat zu seiner wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Blüte aufstieg. Yahya strebte ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den arabischen und persischen Gruppen an. Unter seinem Einfluss holte Harun Christen und Zoroastrier nach Bagdad und ließ viele griechische philosophische und naturwissenschaftliche Texte übersetzen. Er lud auch viele Gelehrte und Meister aus Indien ein, insbesondere Buddhisten. Der von Ibn an-Nadīm erstellte Kitab al-Fihrist, ein Katalog muslimischer und nichtmuslimischer Texte, enthielt eine Reihe buddhistischer Werke. Unter ihnen war auch eine arabische Version des Berichts über Buddhas frühere Leben (Kitab al-Budd).

Yahya ibn Khalid hatte drei Söhne, von denen ihm Ja'far als Wesir folgte, Musa Damaskus regierte und Fadl Gouverneur von Chorasan und dann von Ägypten wurde.

803 fielen die Barmakiden in Ungnade, angeblich wegen einer Liebesbeziehung von Yahyas Sohn Ja'far mit Haruns Schwester Abbasa. Wahrscheinlicher ist es, dass die Barmakiden Harun zu mächtig und zu reich geworden waren. Überdies dürften auch höfische Intrigen dabei eine Rolle gespielt haben. Die Familie wurde enteignet und gemeinsam mit seinem Sohn Fadl wurde Yahya ins Gefängnis geworfen, wo er 806 starb.

Harun al Raschid und sein weiser Berater

Rudolf Steiner spricht in seinen Karmavorträgen wiederholt von einem weisen Berater Harun al Rashids. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei diesem „weise Berater“, der später als Jan Amos Comenius wiedergeboren wurde, um Yahya ibn Khalid handelte. Zur gleichen Zeit inkarniert sich auch Harun al Raschid als Francis Bacon wieder.

„Eine glänzende Stätte für diesen Arabismus war in Asien drüben am Hofe des Harun al Raschid, so in dem Zeitalter, in dem in Europa Karl der Große herrschte. Aber während Karl der Große kaum darüber hinauskam, schreiben und lesen zu können, die primitivsten Anfänge der Kultur zu entfalten, lebte eine höchst großartige Kultur am Hofe Harun al Raschids. Harun war vielleicht kein ganz guter, aber ein umfassender Geist, ein eindringlicher, genialer Geist, im besten Sinne des Wortes ein universeller Geist. Er versammelte am Hofe alle diejenigen Weisen, welche Träger waren desjenigen, was dazumal gewußt werden konnte: Dichter, Philosophen, Mediziner, Theologen, Architekten, alles das lebte, hergeführt von seinem großen Geiste, am Hofe Harun al Raschids.

Nun lebte an diesem Hofe Harun al Raschids ein ganz eminenter, bedeutsamer Geist, ein Geist, der - nicht dazumal in der Inkarnation am Hofe Harun al Raschids, sondern in einer früheren Inkarnation - ein wirklicher Eingeweihter gewesen war. Sie werden sich fragen: Bleibt denn ein Eingeweihter, durch die Inkarnationen gehend, nicht ein Eingeweihter? Man kann ein tief Eingeweihter in einer früheren Epoche gewesen sein, und man muß in einer neuen Epoche denjenigen Körper benützen, man muß diejenige Erziehung durchmachen, welche aus dieser Epoche herauskommen kann [...]

So war die Persönlichkeit, von der die Überlieferung sagt, daß sie großartige Einrichtungen für alle die Wissenschaften am Hofe Harun al Raschids getroffen hat, dazumal eben nur einer der größten Weisen seiner Zeit, mit einem im Geiste so überragenden Organisationstalent, daß viel von dem, was am Hofe Harun al Raschids gewirkt hat, von diesem Geiste ausging.

Nun breitete sich der Arabismus durch Jahrhunderte aus. Wir wissen ja von den Kriegen, die Europa geführt hat, um den Arabismus in seine Schranken zurückzuweisen. Damit war es nicht abgetan: Die Seelen, die gewirkt haben im Arabismus, gehen durch die Pforte des Todes, entwickeln sich durch die geistige Welt weiter und bleiben in einer gewissen Art bei ihrem Wirken. So ist es bei den zwei Individualitäten des Harun al Raschid und seines weisen Ratgebers, der an seinem Hofe gelebt hat.

Folgen wir zunächst Harun al Raschid. Er geht durch die Pforte des Todes, entwickelt sich durch die geistige Welt weiter. Die äußere Form des Arabismus wird zurückgedrängt; das Christentum pflanzt seinen exoterischen Charakter, den es allmählich angenommen hat, Mittelund Westeuropa ein. Aber so wenig es möglich ist, in der alten Form des Mohammedanismus, des Arabismus in Europa weiterzuwirken, so sehr wird es möglich, daß die Seelen derjenigen, die am Hofe des Harun al Raschid in dieser glänzenden Zivilisation einmal gelebt und den Impuls empfangen haben, darin weiterzuwirken, eben weiterwirken.

So sehen wir, daß Harun al Raschid selber wiederverkörpert wird in der vielgenannten Persönlichkeit des Baco von Verulam, jenes englischen führenden Geistes, von dem die ganze moderne wissenschaftliche Denkweise und damit vieles von dem, was jetzt in den Menschen lebt, beeinflußt ist. Harun al Raschid konnte nicht von London, von England aus eine im strengen Sinne des Arabismus geformte Kultur und Zivilisation verbreiten, diese Seele mußte sich der Form bedienen, die im westlichen Abendlande möglich war. Aber der ganze Grundzug, der Grundduktus desjenigen, was Baco von Verulam über die europäische Denkweise ergossen hat, das ist der alte Arabismus in der neuen Form. Und so lebt gerade in dem, was naturwissenschaftliche Denkweise heute ist, der Arabismus, weil Baco von Verulam der wiederverkörperte Harun al Raschid war.

Der Weise, der an seinem Hofe gelebt hat, er ging ebenfalls durch die Pforte des Todes; aber er ging einen anderen Weg. Er konnte nicht untertauchen in eine solche materialistisch gesinnte Geistesströmung, in die Baco untertauchen konnte, er mußte bei einer mehr spirituellen Geistesströmung bleiben. Und so kam es denn, daß in dem Zeitalter, in dem auch Baco von Verulam wirkte, ein anderer Geist - aber jetzt in Mitteleuropa - wirkte, der sich gewissermaßen der Seele nach begegnete mit dem, was ausging von der Seele des wiedergeborenen Harun al Raschid. Wir sehen gewissermaßen die Baco-Strömung von England gegen Mitteleuropa herüber sich ergießen, von Westen nach Osten. Dadurch, daß die Seele, ich möchte sagen, von Spanien und Frankreich herüber zurückgebracht hat diese Anschauung des Arabismus, dadurch ist schon zu begreifen, daß sie einen anderen Inhalt bekam als jene Seele, die durch die Pforte des Todes geht, den Blick während des Durchgangs durch die geistige Welt gerichtet hat auf das, was in Ost- und Mitteleuropa war, und in Mitteleuropa wiedergeboren wurde als Amos Comenius. Er hat dasjenige, was er ausgelebt hat am Hofe Harun al Raschids aus orientalischer Weisheit heraus, wieder erneuert dadurch, daß er dann im 17. Jahrhundert diejenige Persönlichkeit war, welche ganz energisch den Gedanken vertreten hat: Ein Geistiges, ein gegliedertes Geistiges geht durch die Menschheitsentwickelung. - Trivial sagt man oftmals, Comenius habe geglaubt an das «Tausendjährige Reich». Das ist trivial gesprochen. In Wahrheit bedeutet das, daß Comenius an Epochen in der Menschheitsentwickelung geglaubt hat, daß er eine geistige, von der geistigen Welt aus gegliederte weltgeschichtliche Entwickelung angenommen hat. Er will zeigen, daß ein Geistiges die ganze Natur durchwallt und durchwebt: er schreibt eine «Pansophia», eine Allweisheit. Es ist eigentlich ein tiefer geistiger Zug in dem, was Arnos Comenius wirkte. Dabei ist er ein Erneuerer des Erziehungswesens. Das ist bekannt: er strebte nach Anschaulichkeit; aber nach einer anderen Anschaulichkeit als der Materialismus, nach einer durch und durch geistigen Anschaulichkeit. Ich kann das nicht in Einzelheiten auseinandersetzen, ich kann nur hinweisen, wie Arabismus in westlicher Form, Arabismus in orientalischer Form, ausgeflossen ist von dem, was in Mitteleuropa aus dem Zusammenströmen dieser beiden Geistesimpulse entstanden, hervorgegangen ist.“ (Lit.:GA 240, S. 45ff)

Literatur

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