Zunge

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Die Zunge (ahd. zunga, lat. lingua, griech. γλῶσσα glōssa ionisch: γλάσσα glassa, attisch: γλῶττα glōtta)[1] ist beim Menschen und den meisten Wirbeltieren ein länglicher, mit Schleimhaut überzogener, aus neun einzelnen Muskeln bestehender Muskelkörper, der auf dem Boden der Mundhöhle liegt und diese bei geschlossenen Kiefern fast ganz ausfüllt. Die Zunge dient dem Kauen, Saugen und Schlucken und ist mit Sinnesorganen für den Geschmack und das Tasten versehen. Beim Menschen dient die Zunge auch der Sprachbildung.

In feiner Weise hängt die Zunge auch mit dem ästhetischen Geschmack zusammen:

„Der Maler oder der die Malerei Genießende sieht nicht bloß den Inhalt der Farbe an, das Rot oder das Blau oder das Violett, sondern er schmeckt die Farbe in Wirklichkeit, nur nicht mit dem groben Organ, sonst müßte er mit der Zunge dran lecken; das tut er ja nicht. Aber mit alledem, was zusammenhängt mit der Sphäre der Zunge, geht etwas vor, was in feiner Weise ähnlich ist dem Geschmacksprozeß. Also wenn Sie einfach einen grünen Papagei anschauen durch den sinnlichen Auffassungsprozeß, so sehen Sie mit Ihren Augen die Grünheit der Farbe. Wenn Sie aber eine Malerei genießen, so geht ein feiner imaginativer Vorgang vor in dem, was hinter Ihrer Zunge liegt und noch zum Geschmackssinn der Zunge gehört, und nimmt teil an dem Sehprozeß. Es sind ähnlich feine Vorgänge wie sonst, wenn Sie schmekken und die Nahrungsmittel verspeisen. Nicht das, was auf der Zunge vorgeht, sondern was sich erst an die Zunge anschließt, feinere physiologische Prozesse, die gehen zugleich mit dem Sehprozeß vor sich, so daß der Maler die Farbe im tieferen seelischen Sinne wirklich schmeckt. Und die Nuancierung der Farbe, die riecht er, aber nicht mit der Nase, sondern mit dem, was bei jedem Riechen seelischer, tiefer in dem Organismus vorgeht. So finden solche Zusammenlagerungen der Sinnesbezirke statt, indem die Sinnesbezirke mehr in Lebensvorgänge, in Bezirke für Lebensvorgänge übergehen.“ (Lit.:GA 170, S. 151)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Einzelnachweise

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 20. Aufl., besorgt von Walther Mitzka, Berlin und New York 1967, Neudruck ebd. 1975, S. 892