Kabiren und Kategorie:Nerven-Sinnes-System: Unterschied zwischen den Seiten

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[[Datei:Samothraki Hieron.jpg|thumb|300px|Das Kabeirion auf [[Samothrake]].]]
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[[Kategorie:Mensch|203]]
Die '''Kabiren''' (auch ''Kabiri'' oder ''Kabeiri'', von {{ELSalt|Κάβειροι}} ''Kábeiroi'' „die Großen“, [[Latein|lat.]] ''Cabiri'') waren nicht näher bestimmte [[chthonische Götter]] beiderlei Geschlechts aus Kleinasien, die vielfach mit der Fruchtbarkeit, der Seefahrt oder dem Schmiedehandwerk in Zusammenhang gebrcht wurden. Als „Große Götter“ ({{ELSalt|Μεγάλοι Θεοί}} ''Megáloi Theoí'') wurden sie insbesondere auf [[Samothrake]], aber auch auf [[w:Imbros|Imbros]] und [[w:Lemnos|Lemnos]] verehrt. Weitere Kultstätten gab es unter anderem auch in [[w:Makedonien (antikes Königreich)|Makedonien]], [[w:Böotien|Böotien]], [[Pergamon]] und [[w:Milet|Milet]]. Die [[Kult]]e waren allerdings teils sehr unterschiedlich.
[[Kategorie:Organismus]]
 
[[Kategorie:Organsystem|M]]
Die Kabiren galten als Kinder der ''[[Muttergöttin|Großen Mutter]]'', der '''Kabeiro'''. Diese war nach der [[Griechische Mythologie|griechischen Mythologie]] eine Tochter des formwandelnden Meeresgottes [[Proteus]] und lebte als [[Nymphe|Meeresnymphe]] auf der Insel [[w:Lemnos|Lemnos]]. Nachdem sie aus dem Olymp verstoßen worden war, zeugte der griechische Schmiedegott [[Hephaistos]] mit ihr drei Söhne. Nach manchen antikten Autoren wurden auf Lemnos drei Kabeiri und drei kabeirische Nymphen ({{ELSalt|τρεῖς Καβειρίδες νύμφαι}} ''treís Kabeirídes nýmphai'') verehrt.<ref>[[w:Strabo|Strabo]], [[w:Geographica|''Geography'']], translated by Horace Leonard Jones; Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press; London: William Heinemann, Ltd. (1924). [https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Strabo/home.html LacusCurtis], [https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0198%3Abook%3D6%3Achapter%3D1%3Asection%3D1 Online version at the Perseus Digital Library, Books 6&ndash;14]</ref> Von den Griechen wurde Kabeiro u.&nbsp;a. mit der Göttermutter [[Rhea]], aber auch mit [[Demeter]], [[Hekate]] und [[Aphrodite]] indentifiziert. 
[[Kategorie:Nerven-Sinnes-System|!103]]
 
[[Kategorie:Dreigliederung des menschlichen Organismus|103]]
== Mythologie ==
[[Kategorie:Neurowissenschaften|M]]
[[Datei:Καβείριο.JPG|thumb|300px|Das lemnische Kabeirion]]
[[Kategorie:Wesensglieder|203]]
 
Der Name der ''Kabiren'' ist nicht griechischen Ursprungs, sondern leitet sich ab von dem Berg ''Kabeiros'' in der Landschaft ''Berekyntia'', der der [[Wikipedia:Phrygien|phrygischen]] Göttermutter gehörte. Später machten sie [[Wikipedia:Samothrake|Samothrake]] zu ihrer heiligen Mysterieninsel und begründeten hier die [[Samothrakische Mysterien|samothrakischen Mysterien]]. Zu dieser Zeit sei auch [[Orpheus]] ihr Schüler gewesen. Von in Not geratenen Seeleuten wurden sie als rettende Götter angerufen.
 
Verglichen mit der Großen Mutter erschienen sie wie Zwerge, dennoch nannte man sie Megaloi Theoi, »Große Götter«. Von den vier überlieferten Götternamen, die aus Mysterien der Kabiren, wahrscheinlich aus [[Wikipedia:Theben (Böotien)|Theben]], bekannt sind, [[Axieros]], [[Axiokersos]], [[Axiokersa]]  und [[Kadmilos]], wurde behauptet, sie bezeichneten [[Persephone]], [[Demeter]], [[Hades]] und [[Hermes]]. Die Vorsilbe ''axios'' ({{ELSalt|ἄξιος}}), die in diesen Namen vorkommt, bedeutet ''würdig''.
 
Die Kabiren von ''[[Wikipedia:Limnos|Lemnos]]'' waren Schmiede, und wurden darum ''Hephaistoi'' genannt, was sie in die Verwandtschaft zu den [[Telchinen]] rückt, jenen göttlichen Künstlern, die die ersten Götterstatuen nach menschlichem Bild aus Erz geformt haben sollen. Nur trat bei den Telchinen der unterweltliche Zug mehr hervor. Sie waren als böse Zauberer verrufen und hüteten neidisch die Geheimnisse ihrer Kunst.
 
Es ist auch die Geschichte von einem tragischen Brudermord unter den Kabiren überliefert:
 
{{LZ|Auf dem Festlande, den genannten Inseln gegenüber, in Mazedonien, wurde über sie erzählt: es seien einmal drei Korybanten gewesen, drei Brüder, und zwei von ihnen ermordeten den dritten. Sie hüllten das abgeschnittene Haupt in ein purpurnes Gewand, sie bekränzten es und trugen es auf ehernem Schild zum Fuß des Olymp. Dort begruben sie es. Dieselben zwei Brüder trugen auch den Mysterienkorb, der einen Phallos enthielt, das Glied des Dionysos, bis zu den Etruskern.|Kerényi, S. 70}}
 
== Die Kabiren in Goethes «Faust II» ==
[[File:Relief Samothrace Louvre Ma697.jpg|thumb|200px|[[Wikipedia:Agamemnon|Agamemnon]] wird in die [[Samothrakische Mysterien|samothrakischen Mysterien]] eingeweiht. Relief aus [[Wikipedia:Samothrake|Samothrake]] ([[Wikipedia:Louvre|Louvre]])]]
 
Im zweiten Teil von [[Goethe]]s [[Faust-Dichtung]], in den Szenen in den ''Felsbuchten des Ägäischen Meers'' spielen die Kabiren eine wesentliche Rolle:
 
<center>
{|width="600px" align="left"|
|valign="top"|
NEREIDEN UND TRITONEN. <br>
Was wir auf Händen tragen,<br>
Soll allen euch behagen.<br>
Chelonens Riesenschilde<br>
Entglänzt ein streng Gebilde:<br>
Sind Götter, die wir bringen!<br>
Müßt hohe Lieder singen.<br>
 
SIRENEN. Klein von Gestalt,<br>
Groß von Gewalt,<br>
Der Scheiternden Retter,<br>
Uralt-verehrte Götter!<br>
 
NEREIDEN UND TRITONEN.<br>
Wir bringen die Kabiren,<br>
Ein friedlich Fest zu führen;<br>
Denn wo sie heilig walten,<br>
Neptun wird freundlich schalten.<br>
 
SIRENEN. Wir stehen euch nach:<br>
Wenn ein Schiff zerbrach,<br>
Unwiderstehbar an Kraft,<br>
Schützt ihr die Mannschaft.<br>
 
NEREIDEN UND TRITONEN.<br>
Drei haben wir mitgenommen,<br>
Der vierte wollte nicht kommen;<br>
Er sagte, er sei der Rechte;<br>
Der für sie alle dächte.<br>
|valign="top"|
SIRENEN. Ein Gott den andern Gott<br>
Macht wohl zu Spott.<br>
Ehrt ihr alle Gnaden!<br>
Fürchtet jeden Schaden!<br>
 
NEREIDEN UND TRITONEN.<br>
Sind eigentlich ihrer sieben!<br>
 
SIRENEN. Wo sind die drei geblieben?<br>
 
NEREIDEN UND TRITONEN. <br>
Wir wüßtens nicht zu sagen,<br>
Sind im Olymp zu erfragen;<br>
Dort west auch wohl der achte,<br>
An den noch niemand dachte!<br>
In Gnaden uns gewärtig,<br>
Doch alle noch nicht fertig.<br>
Diese Unvergleichlichen<br>
Wollen immer weiter:<br>
Sehnsuchtsvolle Hungerleider<br>
Nach dem Unerreichlichen.<br>
|}
</center>
 
[[Bild:Kabirenbecher.gif|thumb|Kabirenbecher]]
 
[[Rudolf Steiner]] hat darauf hingewiesen, dass die Kabiren wesentlich mit dem Werden des [[Mensch]]en zusammenhängen. Sie stehen in enger Beziehung zu den sieben [[Wesensglieder]]n des Menschen:
 
{{GZ|Äußerlich betrachtet sind sie wiederum einfache Meeresgötter. Samothrake
- die Griechen wußten es - war in verhältnismäßig gar nicht alter
Urzeit von den furchtbarsten, erdbebenartigen Stürmen umbrandet,
zerklüftet, durcheinandergeworfen. Also die Naturdämonen hatten hier
in ganz ungeheuerlicher Weise so gewaltet, daß das noch wie in einer
historischen Erinnerung für die alten Griechen war. Und in den Wäldern,
in den dichten, damals dichten Wäldern von Samothrake war verborgen
das Mysterium der Kabiren. Unter den mancherlei Namen, die
die Kabiren tragen, sind auch die, wo der eine Kabir genannt wird
Axieros, der zweite Axiokersos und der dritte Axiokersa, Kadmilos der
vierte. Dann hatte man so ein unbestimmtes Gefühl, daß es noch einen
fünften, sechsten und siebenten gab. Aber im wesentlichen war der Menschen geistiger Blick hingerichtet auf die drei ersten Kabiren. Es handelte
sich bei den alten Vorstellungen von den Kabiren nun wirklich um das
Menschenwerde-Geheimnis. Und eigentlich sollte derjenige, der in die
heiligen Mysterien von Samothrake eingeweiht wurde, zu der Anschauung
kommen: Was entspricht in der geistigen Welt, geistig angeschaut,
demjenigen, was hier auf Erden geschieht, wenn für eine auf der Erde
sich verkörpernde Seele der Mensch entsteht, der Mensch wird in der
Generationsfolge? - Gewissermaßen das geistige Korrelat des menschlichen
Geborenwerdens sollte geschaut werden in der geistigen Welt.|273|202f}}
 
{{GZ|Nehmen Sie aus der heutigen Vorstellung die Szene mit den Kabiren heraus, versuchen Sie einmal, in dieser «Faust»-Szene nachzulesen alles, was sich auf die Kabiren bezieht, versuchen Sie, jede einzelne Zeile wirklich mit tieferem Interesse zu verfolgen, und Sie werden sehen, wie Goethe durch seine vergeistigten Instinkte durchaus noch drinnenstand in dem ahnenden Erkennen. Durch solche Vorstellungen und Mysterienverrichtungen, wie sie die Griechen hatten in Anlehnung zum Beispiel an die Kabiren, drückt sich für den Menschen ein Höchstes in bezug auch auf das Erkenntnisstreben und dergleichen aus. Diese Kabiren brachte Goethe mit Recht zusammen mit dem Wege, der führen soll vom Homunkulus zum Homo. Er brachte diese Kabiren mit Recht zusammen mit dem Geheimnisse des menschlichen Werdens.
 
Drei Kabiren werden herangebracht. Wir reden von drei menschlichen Gliedern zunächst. Bevor wir auf das wahrhaft Innere des Menschen gehen, reden wir von drei menschlichen Gliedern: von dem physischen Leib, dem ätherischen Leib, dem astralischen Leib. Indem man von diesen menschlichen Gliedern spricht, erregt man ja sogleich die Kritik derjenigen Menschen, die sich heute besonders gescheit dünken, die sich heute besonders wissenschaftlich dünken. So wenden zum Beispiel solche Leute ein: Warum denn den einheitlichen Menschen teilen, gliedern? Der Mensch sei doch eine Einheit, es sei schematisch, wenn man den Menschen in solche Glieder auseinanderschält. - Ja, aber so ist die Sache nicht, so einfach liegt sie nicht. Gewiß, wenn bloß eine schematische Einteilung des Menschen zugrunde läge, brauchte man keinen besonderen Wert auf diese Glieder zu legen. Aber diese einzelnen Glieder, die man scheinbar so abstrahiert von dem ganzen Menschen, stehen ja alle mit ganz ändern Sphären des Weltenalls in Verbindung. Dadurch, daß der Mensch einen physischen Leib hat, so wie er ihn heute hat, wie sich dieser physische Leib von seiner saturnischen Anlage heraus entwickelt hat bis in die heutige Zeit, dadurch gehört der Mensch dem Räume an, der Sphäre des Raumes. Und durch seinen ätherischen Leib gehört der Mensch der Sphäre der Zeit an. Also indem der Mensch den zwei total voneinander verschiedenen Sphären angehört, indem er, man könnte sagen, aus der Welt der Zeit und des Raumes herauskristallisiert ist, besteht er aus physischem Leib und aus Ätherleib. Das ist nichts Willkürlich-Schematisches, was man da als Einteilung, als Gliederung des Menschen anführt. Das beruht tatsächlich auf dem ganzen Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall. Und durch seinen astralischen Leib gehört der Mensch schon dem Außerräumlichen und Außerzeitlichen an.
 
Diese Trinität, gewissermaßen die menschliche Hüllentrinität, wird vorgeführt in den drei Kabiren. Der vierte «wollte nicht kommen». Und der ist es, der für sie alle denkt! Steigen wir herauf von den drei Hüllen zum menschlichen Ich, so haben wir in diesem menschlichen Ich zunächst das, was über Raum und Zeit, selbst über das Zeitlose, Raumlose des Astralischen herausragt. Aber dieses Ich des Menschen kam ja erst zum Bewußtsein gerade in dem Zeitraume, der auf die samothrakische Kabirenverehrung folgte. Die Griechen hatten aus der uralt heiligen samothrakischen Lehre allerdings ihren Glauben an das Unsterbliche; aber innerhalb des griechisch-lateinischen Zeitraumes sollte erst das Bewußtsein von dem Ich geboren werden. Daher wollte der vierte nicht kommen, der dasjenige repräsentiert, was als Verhältnis besteht zwischen dem Ich und dem Kosmos. Und wie ferne lag das dem Kabirengeheimnis, das zunächst hinweist auf das, was da war in dem Menschenwerden. Die drei höchsten, der fünfte, sechste und siebente, die sind noch «im Olymp zu erfragen»: Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Die kommen, wie wir wissen, im sechsten und siebenten Zeitraume. Und an den achten hat überhaupt noch niemand gedacht!
 
Wir erblicken tatsächlich in der alten Form ausgesprochen das Menschheitsgeheimnis, wie es in Samothrake in denjenigen Mysterien verhüllt war, von denen die Griechen das Beste für ihr Seelenwissen, für ihre Seelenweisheit, ja auch das Beste für ihre Dichtung, insofern sich diese auf den Menschen bezog, genommen haben. Das ist das Wichtige, daß man erkennt: Sobald man den Blick zurückwendet in diese alten Zeiten, die Goethe also wiederum zu beleben versuchte, so schaut man hinein in ein Wissen vom Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall. Der Mensch fühlte sich verwandt mit allen Geheimnissen des Daseins. Der Mensch wußte: er ist nicht bloß eingeschlossen in die Grenzen seiner Haut, er gehört dem ganzen, weiten Weltenall an. Und dasjenige, was in seiner Haut eingeschlossen ist, ist nur das Bild seines besonderen Wesens.|188|168ff}}
 
In Goethes Faust-Dichtung eilen die [[Nereiden]] und [[Tritonen]] fort, um die Kabiren heranzubringen, was von den [[Sirenen]] so kommentiert wird:
 
<center>
{|
|-
| <poem>
SIRENEN: Fort sind sie im Nu!
Nach Samothrake gradezu,
Verschwunden mit günstigem Wind.
Was denken sie zu vollführen
Im Reiche der hohen Kabiren ?
Sind Götter! wundersam eigen,
Die sich immerfort selbst erzeugen,
Und niemals wissen, was sie sind.
</poem>
|}
</center>
 
{{GZ|Also das sagen die Sirenen von den Kabiren. Es ist vielleicht so am
leichtesten nahezukommen der Gesamtverfassung dieser Kabiren,
wenn Sie an die Stelle in der Bibel denken, wo von den Elohim die
Rede ist, die eigentlich erst, nachdem sie ihr Tagewerk geschaffen
haben, sehen, daß es gut war, oder eigentlich, wie es dort steht, daß
es schön war. Es ist natürlich für Menschen etwas schwer zu verstehen,
weil Götter - die Kabiren - gerade, um die es sich hier handelt,
nicht ein solches Bewußtsein haben wie Menschen oder wie gewisse
spätere Götter. Die Kabiren sind Götter ersten Entstehens, und sie
gehen auf in diesem Entstehen. Daher sind sie von einer viel zu großen
Lebendigkeit, als daß sie ein voll ausgebildetes Bewußtsein haben.
Sie gehören auch zusammen in dieser Beziehung. Es sind in Samothrake
vier solcher Kabirengötter. Eigentlich sind es wohl acht;
aber für Samothrake selbst kommen nur die vier in Betracht. Und
nun natürlich kann man sagen: «Wundersam eigen, die sich immerfort
selbst erzeugen, und niemals wissen, was sie sind.» Das kann
man von den dreien, von den drei Hauptgöttern, welche die Erzeugungsgötter
sind, schon sagen: von Axieros Axiokersos und Axiokersa.
Von denen kann man schon sagen, daß sie nicht wissen, was
sie sind. Aber so wenig diese drei zusammen wissen, was sie sind, so
gut weiß der vierte für die drei. Also, wenn Sie sich denken: der
Mensch bestehe aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich,
und das Ich vollführt das Bewußtsein, so müssen Sie sich denken:
diese Kabiren sind vier. Während beim Menschen diese vier Glieder
zusammenhalten, sind aber diese Kabiren vier getrennte Wesen. Und
Axieros ist physischer Leib, Axiokersos ist Ätherleib, Axiokersa ist
Astralleib; die haben also kein Bewußtsein. Dagegen Kadmilos, der
dem Ich entsprechende, der denkt für alle drei. Also das ist das Eigentümliche dieser Götter, daß der vierte eigentlich ihr Bewußtsein
zugleich ist.
 
Wenn Sie den Zyklus nehmen, wo ich von den Elohim gesprochen
habe, ist es auch so ähnlich, daß eigentlich der siebente für die sechs
denkt.<ref>vgl. dazu [[GA 122]] ([[Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte]]), wo Rudolf Steiner schildert, wie die 7 [[Elohim]] durch die Schöpfungstätigkeit und insbesonders durch die Erschaffung des Menschen zu einem höheren Gemeinschaftsbewusstsein erwachen, das durch [[Jahve]] repräsentiert wird, der zugleich einer der sieben Elohim ist und sich später mit der [[Mondensphäre]] verbindet.</ref>|277|534}}
 
=== Die künstlerische Gestaltung der Kabiren ===
 
[[Bild:Kabiren.jpg|thumb|300px|Die Kabiren als Krüge gestaltet nach dem  Entwurf [[Rudolf Steiner]]s.]]
Anläßlich der Inszenierung von Szenen aus dem zweiten Teil von [[Goethe]]s [[Faust-Dichtung]] hat Rudolf Steiner nach einer geeigneten künstlerischen Darstellung der Kabiren gesucht:
 
{{GZ|Erinnern wir dabei zum Beispiel an die samothrakischen Mysterien, auf die ''Goethe'' im zweiten Teile seines «Faust» anspielt, wo er von den Kabiren spricht. Ich habe versucht, in meinem Atelier in Dornach diese Kabiren nachzubilden. Was habe ich herausbekommen? Es war etwas sehr Interessantes. Ich habe einfach mir die Aufgabe gestellt, herauszubekommen durch Anschauung, wie innerhalb der samothrakischen Mysterien die Kabiren ausgesehen haben müssen. Und denken Sie: Ich habe drei Krüge, allerdings plastisch-künstlerisch gestaltete Krüge bekommen! Ich war anfangs selbst erstaunt, obwohl Goethe auch von Krügen spricht. Die Sache wurde mir erst erklärlich, als ich darauf kam: diese Krüge standen auf einem Altar, da wurde etwas Weihrauchähnliches hineingebracht, das Opferwort wurde gesungen, und aus der Kraft des Opferwortes, das in älteren Menschheitszeiten noch eine ganz andere schwingungserregende Gewalt hatte als heute, gestaltete sich der Opferrauch zu dem Bilde der Gottheit, das gesucht wurde. Sie haben unmittelbar in der religiösen Verrichtung den sekundierenden Gesang, der unmittelbar in der Plastik des Rauches sich auslebt.|218|280}}
 
{{GZ|Das waren die Zeiten, in denen der Mensch nicht in abstracto gesagt
hat: Im Urbeginne war der Logos, und der Logos war bei Gott,
und ein Gott war der Logos - das waren die Zeiten, in denen der Mensch
etwas ganz anderes sagen konnte, in denen der Mensch sagen konnte:
In mir gestaltet sich die Ausatmung, und indem die Ausatmung sich in
regelmäßiger Weise gestaltet, erweist sie sich selber als ein Nachbild
kosmischen Schaffens, denn sie schafft mir aus dem Opferrauch Gestaltungen,
die für mich die lebendigen Schriftzüge sind, die mir verraten,
was mir die planetarischen Welten sagen wollen.
 
Und wenn sich der Schüler der Kabirenmysterien auf Samothrake
näherte den Pforten dieser Einweihungsstätten, dann hatte er durch
seinen Unterricht das Gefühl: Ja, jetzt betrete ich dasjenige, was mir
umschließt die magischen Handlungen des opfernden Vaters. Denn
«Vater» nannte man die zelebrierenden Initiatoren dieser Mysterien.
Und was offenbarte dem Schüler die magische Kraft dieser zelebrierenden
Väter? Durch das, was die Götter in den Menschen gelegt haben,
durch die Gewalt der Sprache, schrieb der priesterliche Magier und
Weise hinein in den Opferrauch jene Schriftzüge, die aussprachen die
Geheimnisse des Weltenalls.|232|182}}
 
In den für die Priester der [[Christengemeinschaft]] gehaltenen Vorträgen über [[Apokalypse und Priesterwirken]] gab Steiner dazu noch weitere Erläuterungen:
 
{{GZ|Wir stellen vor unsere Seele den Kabirenaltar von Samothrake.
Die Kabiren, die daraufstanden als äußere Denkmäler, waren
Opferkrüge, in denen jetzt nicht Fermentsubstänzen waren,
sondern Substanzen, welche die menschliche Erkenntnis finden
konnte, wenn sie in das innere Spirituelle der Substanz eindringen
konnte. Solche Substanzen, die in den Opferkrügen darin waren,
Opfersubstanzen, wurden entzündet, der Rauch stieg in die Höhe,
und die magische Sprache wirkte so, daß in dem aufsteigenden
Rauch erschien die Imagination dessen, was das Wort intonierte.
So wurde äußerlich sichtbar im Opferrauch der Weg hinauf zu den
göttlichen Kräften. Im Opferrauch wußten sich die Priester in der
Atmosphäre, durch die die Transsubstantiation vollzogen wurde.<ref>Die interne Vervielfältigung der Christengemeinschaft enthält hier noch folgenden Wortlaut:<br>
«Dann waren die Substanzen so gemischt, wie es noch Aristoteles einem Alexander
in alten Zeiten lehrte, daß aus dem Opferrauch herauskam die heilige
Imagination, die den Weg zu den Göttern bedeutete; dann war diese Transsubstantiation,
die priesterliche Handlung eine richtige. Die Menschenweihehandlung
war wahrhaftig vollzogen. Der sie zelebrierte und der, der daran teilnehmen
konnte, wußte, das ist das Erkenntnisorgan; denn indem aufflammt in dem
Opferrauch und in dem Gebet, das zeremoniell gestaltet wird in dem magischen
Wortverlauf, dasjenige was hinauf strömt zu den Göttern, kommt als Gnadengeschenk
entgegen von oben die Offenbarung, die das Apokalyptische ist.» {{GZ||346|335}}</ref>
Das war das dritte Stadium in der Entwickelung der Mysterien und
desjenigen, was in der Menschenweihehandlung für den Menschen
enthalten ist.|346|27}}
 
== Die Kabiren und der [[Menschheitsrepräsentant]] zwischen [[Luzifer]] und [[Ahriman]] ==
 
Die samothrakischen [[Einweihung|Eingeweihten]] sahen den [[Mensch]]en nicht als eine Einheit, sondern als eine Dreiheit an, die durch die drei Kabiren [[Axieros]], [[Axiokersos]], [[Axiokersa]] repräsentiert wurde.
 
{{GZ|Der samothrakische Eingeweihte lernte
den Menschen kennen, wie er vor ihm stand im sinnlichen Anschauen,
und ihm wurde gesagt: Du mußt von diesem Menschen zwei Extreme
abziehen; Axiokersa, Axiokersos, die strahlen nur herein. Dann kannst
du eventuell zurückbehalten Axieros. - So daß man auch die Sache so
darstellen konnte, daß von den dreien Axieros gewissermaßen darstellt
den menschlichen Mittelzustand, und die andern, die beiden Unsichtbaren,
bestrahlen ihn nur.|273|204}}
 
Diese Anschauung entsprach dem alten [[atavistisch]]en [[Hellsehen]]; wird sie in eine für unsere Zeit gültige Form lebendig umgebildet, erscheint das [[Bild]] des [[Menschheitsrepräsentant]]en zwischen [[Luzifer]] und [[Ahriman]]:
 
{{GZ|Das samothrakische Mysterium als solches, mit seinen Kabirenverbildlichungen
des Menschengeheimnisses, ist ganz und gar entsprechend
der alten atavistisch-hellseherischen Weltanschauung, aber
dasjenige, was in irgendeiner Menschheitsperiode lebt an Erkenntnisinhalt,
kann in rechtmäßiger Weise fortgesetzt, muß umgebildet werden.
Es ist unberechtigt, zu den alten Anschauungen, die für ganz andere
Menschheitsepochen da waren, einfach wieder zurückkehren zu wollen;
sie müssen umgebildet werden. Das samothrakische Geheimnis hat
natürlich nur einen historischen Wert. Heute würden wir sagen: Wir
stellen dar, wie in der Mitte der Menschheitsrepräsentant steht, Axieros,
wie der Menschheitsrepräsentant umkreist wird von Axiokersa, wie
Axiokersos heute wiederum mit dem Irdischen in Zusammenhang gebracht
werden muß, und wir haben den Menschheitsrepräsentanten,
Luzifer, Ahriman. Wir haben darinnen die für das heutige und das kommende
Zeitalter angemessene Umgestaltung des heiligen samothrakischen
Mysteriums.|273|205}}
 
== Aristoteles und Alexander ==
 
[[Aristoteles]] und sein [[Geistesschüler]] [[Alexander der Große]] standen nach den Angaben Steiners zwar kaum in einer ''äußeren'', aber in einer starken ''inneren'' [[seelisch]]en Beziehung zu den [[Samothrakische Mysterien|samothrakischen Mysterien]]:
 
{{GZ|Das Eigentümliche
ist, daß in Alexander und in Aristoteles Menschen lebten, die
eine andere Beziehung zum Geistigen hatten als ihre Umgebung,
die, trotzdem sie sich nicht viel kümmerten um die samothrakischen
Mysterien, dennoch in ihrer Seele eine große Verwandtschaft hatten
mit dem, was in den samothrakischen Mysterien mit den Kabiren
vorging.|233|72}}
 
== Sprüche Rudolf Steiners aus den Kabirenmysterien auf Samothrake ==
 
;Empfindung des Schülers an der Pforte:
 
<poem>
Ich trete ein in dasjenige,
Was mir umschließt einen gewaltigen Geist,
Was mir umschließt die großen Götter,
Jene großen Götter, welche auf der Erde
Durch die Opferhandlungen der Menschen
Die Geheimnisse des Weltenalls enthüllen.
</poem>
 
;Innerliches Erleben des Schülers, vermittelt durch den zelebrierenden Initiator am Opferaltar:
 
<poem>
So wollen dich die Kabiren,
Die großen Götter:
Merkurius in den Gliedmaßen,
Sonne im Herzen,
Mars in der Sprache.
</poem>
 
;Das Geheimnis der samothrakischen Welt, dem Schüler das Bewusstsein zu vermitteln:
 
<poem>
Natur ist Geist,
Geist ist Natur.
</poem>
 
Dornach, 21. Dezember 1923 {{GZ||40|175}}
 
== Literatur ==
* [[Wikipedia:Karl Kerényi|Karl Kerényi]]: ''Die Mythologie der Griechen'', Band I, Deutscher Taschenbuch Verlag, München (1966)
* [[Rudolf Steiner]]: ''Wahrspruchworte'', [[GA 40]] (2005), ISBN 3-7274-0401-9 {{Vorträge|40}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Der Goetheanismus - ein Umwandlungsimpuls und Auferstehungsgedanke'', [[GA 188]] (1982), Achter Vortrag, Dornach, 25. Januar 1919 {{Vorträge|188}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus'', [[GA 218]] (1992), Stuttgart, 4. Dezember 1922 {{Vorträge|218}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Mysteriengestaltungen'', [[GA 232]] (1998), ISBN 3-7274-2321-8 {{Vorträge|232}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Die Weltgeschichte in anthroposophischer Beleuchtung und als Grundlage der Erkenntnis des Menschengeistes'', [[GA 233]] (1991), ISBN 3-7274-2331-5 {{Vorträge|233}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust»'', Band II: Das Faust-Problem, [[GA 273]] (1981), ISBN 3-7274-2730-2 {{Vorträge|272}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Eurythmie – Die Offenbarung der sprechenden Seele'', [[GA 277]] (1999), ISBN 3-7274-2770-1 {{Vorträge|277}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V. Apokalypse und Priesterwirken'', [[GA 346]] (2001), ISBN 3-7274-3460-0 {{Vorträge|346}}
 
{{GA}}
 
== Weblinks ==
* {{Pierer|Kabiren}}
* [http://books.google.at/books?id=m1M9AAAAcAAJ Karl Barth: ''Die Kabiren in Deutschland''] (1832)
* [http://www.dasschwarzenetz.de/griechen/kabeiroi.htm Kabeiroi]
* [http://en.wikipedia.org/wiki/Kabeiroi Kabeiroi] - From Wikipedia, the free encyclopedia (Englisch)
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
[[Kategorie:Griechische Mythologie]]
[[Kategorie:Griechische Gottheit]]
[[Kategorie:Gottheit nach Gruppe]]
[[en:Kabiri]]

Version vom 21. August 2019, 18:34 Uhr