Daath

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Die 10 Sephiroth im Lebensbaum in seiner ursprünglichen, erstmals von Moshe Cordevero systematisch dargestellten Gestalt mit Kether an der Spitze, verbunden durch den Pfad des flammenden Schwerts (gelb), der die Reihenfolge ihrer Entstehung von 1 - 10 angibt.

Daath oder Da'at (hebr. דעת, Wissen, Wissenschaft), gilt in der jüdischen Kabbala als die unsichtbare Sphäre am Lebensbaum der Kabbala.

Im 16. Jahrhundert entwarf Isaak Luria ein leicht verändertes Schema der 10 Sephiroth, indem er Kether herausnahm und dafür an dritter Stelle die Sephira Daath als bewusste Manifestation der noch unbewussten, ungeformten Kether, die damit in den Bereich des unbegrenzten Lichts (Ain Soph Aur) hinaufrückte und nicht mehr als in ein gestaltetes Gefäß gegegossene Sephira aufgefasst wurde[1]. In Daat vereinigen sich die Kräfte von Weisheit (Chochmah) und Verstand (Binah) zum bewussten Wissen in Gestalt geformter Gedanken. Daath ist derart die höchste und feinste Erscheinung der Formenwelt am Lebensbaum der Kabbala. Damit ergibt sich folgendes Schema der Lurianischen Kabbala:

  1. Chochmah (Weisheit, Klugheit, Geschicklichkeit)
  2. Binah (Einsicht,Verstand; analytische Intelligenz)
  3. Daath (Wissen, Wissenschaft)
  4. Chesed (Liebe, Gnade, Gunst); auch Gedulla (Größe) genannt
  5. Geburah (Stärke, Macht, Sieg, Gerechtigkeit); auch als Din (die strafende und richtende Macht Gottes) bezeichnet
  6. Tifereth (Verherrlichung, Ruhm, Pracht, Schönheit); auch als Rachamim (die ausgleichende Barmherzigkeit Gottes) oder Schalom (Friede) bezeichnet
  7. Nezach (Dauer, Beständigkeit, Sieg; Ruhm, Glanz, Blut, Saft)
  8. Hod (Pracht, Glanz, Majestät)
  9. Jesod (Gründung, Grund, Grundstein, Grundlage, Fundament)
  10. Malchuth (Reich, Königreich, Herrschaft, königliche Würde, Regierung).

Gelegentlich wird Daath auch als 11. Sephira aufgefasst, was aber im Widerspruch zum Sefer Jetzira, dem ältesten überlieferten Werk der Kabbala, steht, wo nachdrücklich gesagt wird:

„Zehn Zahlen aus dem Nichts, zehn und nicht neun, zehn und nicht elf, begreife diese Weisheit, verstehe dieses Wissen, forsche danach und erwäge es, fasse es in Klarheit und folge dem Schöpfer wieder zu seinem Thron.“

Sefer Jezirah 1,4

Oft gilt Daat aber auch nicht als eigenständige Sephira, sondern vielmehr als der mystische Zustand, in dem sich alle 10 Sephiroth zu einer ganzheitlichen Erfahrung im Sinne der unio mystica vereinigen. Daath gilt auch als die Brücke, die über den Abyssos (hebr. תהום,Tehom, die Meerestiefe, von der in der Genesis am ersten Schöpfungstag gesprochen wird) von der urbildlichen geistigen Welt (Atziluth) in die phänomenale Welt führt.

Anmerkungen

  1. Jacob Immanuel Schochet: Mystical Concepts in Chassidism, Kehot Publications. Chapter on Sephirot. Available separately or printed at back of bilinguel Hebrew-English Tanya

Weblinks